Basel III: Die neuen Eigenmittel Abzugsposten

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Dieser Beitrag beleuchtet die Änderungen in den Eigenmittel Abzugsposten von Basel II auf Basel III. Im Vordergrund steht das neue Sammelpoolsystem und die Ausgestaltung der Beteiligungen. Die Reform der Eigenmittelabzüge knüpft an den Prozess der qualitativen Stärkung der Eigenmittel an. Das Eigenmittelabzugssystem nach Basel III den folgenden Grundsatz:

Es sind Vermögensposten von den Eigenmitteln abzuziehen, die im Liquidationsfall keinen, oder einen ungewissen Cashflow generieren.

Für den deutschen Bankenmarkt verursachen im Kern immaterielle Vermögensgegenstände, sowie der Geschäfts- oder Firmenwert und aktive latente Steuern, die nach Umsetzung von Basel III alle vollständig vom harten Kernkapitalabzuziehen sind, einen Großteil der Abzugspositionen. Bei der Operationalisierung der Eigenmittelabzüge gemäß CRD IV greift das Baseler Committee on Banking Supervision auf ein Sammelpoolverfahren zurück. Das Verfahren bietet den Regulierern die Möglichkeit die Aktivitäten einer Bank zu drosseln, jedoch aber nicht vollkommen zu stoppen.

Kapitalabzug

Aktive latente Steuern waren bis zu der Einführung des CRD IV-Pakets nicht abzugspflichtig. Das hat sich mit der Einführung der CRD IV geändert. Die in Summe über 10% des harten Kernkapitals des Instituts hinausgehenden Steueransprüche, sind vom harten Kernkapital abzuziehen. Der Betrag, der kleiner oder gleich 10% ist, wird in einem Sammelpool mit einem Risikogewicht von 250% versehen.

 

 

Bei wesentlichen Beteiligungen im FinanzsektorWesentliche und Unwesentliche wird der Vollabzug von den regulatorischen Eigenmitteln in Basel II durch ein, den latenten Steuern analoges Freibetragsverfahren, ersetzt. Sollte die Summe des nicht zum Eigenmittelabzug gebrachten Betrags aus aktiven latenten Steueransprüchen und wesentlichen Beteiligungen am Finanzsektor den Schwellenwert von 15% des harten Kernkapitals vor Kapitalabzügen überschreiten, wird der übersteigende Betrag zum Abzug gebracht.

Nicht wesentliche Beteiligungen im Finanzsektor sind ebenfalls aufzusummieren. Der Betrag, der 10% des harten Kernkapitals übersteigt, ist kapitalformspezifisch von den regulatorischen Eigenmitteln abzuziehen. Sofern kein korrespondierendes Kapital zur Verfügung steht, wird der Abzug gemäß eines Wasserfall-Verfahrens von der nächst höheren Kapitalkategorie vollzogen. Der Residualwert wird mit den jeweiligen Risikogewichten gemäß dem Standardansatz oder dem internen Ansatz (Internal Rating-Based Approach, IRB) versehen.

 

Des Weiteren sind bestimmte Kapitalabzüge nicht mehr hälftig vom Kernkapital und Ergänzungskapital zu tätigen. Künftig werden die betroffenen Positionen zum Vollabzug am harten Kernkapital gebracht oder mit einem Risikogewicht von 1250% versehen. Dies betrifft bestimmte Verbriefungs- und Beteiligungspositionen, sowie wesentliche Beteiligungen an Wirtschaftsunternehmen und dem im IRB- Ansatz anfallenden Wertberichtigungsfehlbetrag. Die durch die betroffenen Positionen belastete Qualität des harten Kernkapitals zur Verlustabsorption wird durch die Reform der hälftigen Abzüge wieder hergestellt werden. Ebenso wie die Kapitalquoten und der Bestandsschutz für Eigenkapitalbestandteile werden die Kapitalabzüge nicht unmittelbar umgesetzt. Kapitalabzüge werden jährlich ab 2014 schrittweise um 20% erhöht.

 

Implikationen für die Praxis

Das erklärte Ziel der Regulierer ist die Entflechtung des Bankensektors. Insbesondere die Einführung des Sammelpoolsystems sorgt dafür, dass die gegenseitigen Beteiligungen der Kreditinstitute auf ein gesundes Maß begrenzt werden. In Zukunft wird es für Banken von großer Bedeutung sein die strategischen Beteiligungsportfolios zu optimieren. Vor allem sollte eine Überschreitung der 10% Grenze gründlich überlegt werden, da sonst die Vorteile von dem BCBS gegebenen Freibetragsverfahren negiert werden. Die Kostenspanne zwischen Ansatz als Risikoaktiva und Abzug von den Eigenmitteln ist derart weitreichend, dass diese weitgehend (Risiko/Rendite-Abwägung) vermieden werden sollte. Eine Überschreitung der Grenze ist lediglich dann sinnvoll, wenn dem Institut ohnehin genügend Eigenmittel zur Verfügung stehen. Bei Eigenmittelknappheit hat das Überschreiten der Grenze zur Folge, dass durch den Eigenmittelabzug, alle anderen Aktivgeschäfte beschränkt werden.

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Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.