Basel III: Die Notwendigkeit der Liquiditätsregulierung (LCR)

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Starten wir den Beitrag mit einer kleinen Zeitreise in das Jahr 2008. Die Finanzkrise ist in dem Anfangsstadium. Um in den wirtschaftlich schweren Zeiten bessere Ergebnisse zu erzielen, gingen viele weltweit agierende Banken tief in die Fristentransformation. Sie waren übermäßig kurzfristig Refinanziert. Mit der Insolvenz der amerikanischen Investmentbank Lehmann Brothers wurde das Vertrauen am Interbankenmarkt erschüttert. Die kurzfristigen Refinanzierungsquellen für Banken haben sich drastisch verteuert, oder sind schlagartig erloschen. Um die Mittelabflüsse zu kompensieren mussten Banken ihre marktgängigen Aktiva unter Verlusten liquidieren. Das zusätzliche Angebot Aktiva an den Märkten bei gleichbleibender Nachfrage sorgte für weiter sinkende Preise. Der Prozess zog sich solange hin, bis der Liquiditätsreserve der Banken aufgezehrt wurde und aus der reinen Liquiditätskrise eine Solvenzkrise entstanden ist. Ende der Rückblende.

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Die Regulierer zogen eine Lehre aus dem Ablauf der Insolvenz von Lehmann Brothers und der Krise europäischer Banken, die staatlich gerettet werden mussten. Sie sorgten für ein Rechenwerk um Liquiditätsengpässe zukünftig zu unterbinden. Der Baseler Ausschuss führte mit dem Erstentwurf von Basel III die Liquidity Coverage Ration (LCR) oder auf Deutsch die Mindestliquiditätsquote ein. Die LCR ist der Quotient aus der Liquiditätsreserve einer Bank und dem Netto-Liquiditätsabflüssen. In der Kennzahl wird ein 30 Tage Stressszenario simuliert, ähnlich wie in der Finanzmarktkrise.

Die Liquiditätsreserve

Um das Krisenszenario zu rekonstruieren wird auf die liquiden Aktiva der Banken ein Abschlag auf den Marktwert angesetzt. Der Abschlag auf den Clean Value des Assets wird maßgeblich bestimmt durch seine Preisstabilität in Krisenzeiten. Ein Aktivum das in Krisenzeiten wertbeständig ist, wird also mit einem geringeren Abschlag versehen, als volatilere Anlagegegenstände. Die Liquiditätsreserve ist daher untergliedert in Aktiva von äußerst hoher Liquidität (Stufe 1) und Aktiva von hoher Liquidität (Stufe 2), die weiterhin unterteilt werden in Stufe 2a und Stufe 2b. Die Abbildung veranschaulicht die wichtigsten Positionen zur Berechnung des Liquiditätsbestands einer Bank und ist auf Grundlage der Publikationen von den EU-Kommission/Bafin erstellt worden.

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Da die Aktiva von äußerst hoher Liquidität grundsätzlich von hoher Wertstabilität sind, sah die CRR für die Stufe 1 Aktiva keinen Abschlag vor. Starten wir mit einem Beispiel. Die abschlagslose (0%) Zugehörigkeit der gedeckten Schuldverschreibungen zu den Stufe 1 Aktiva stand nach der Publikation der CRR in der Diskussion, da hier eine markante Abweichung von dem Baseler Standard durch die europäischen Gesetzgeber gewählt wurde. Offensichtlich divergierten an dieser Stelle die Meinung über die Wertstabilität von gedeckten Schuldverschreibungen. Mit dem delegierten Rechtsakt vom 10.10.2014 haben die Gesetzgeber die Abweichung beseitigt. Eine wichtige Neuerung des delegierten Rechtsaktes ist, dass die besicherten Schuldverschreibungen mit Rating ECAI 1 und einem Emissionsvolumen von mindestens 500 Mio. Euro nun mit einem Abschlag von 7% versehen werden, während besicherte Schuldverschreibungen mit dem Rating ECAI 2 und einem Emissionsvolumen von 250 Mio. Euro einen Abschlag von 15% erhalten.

Um die Liquidität einer Bank zu gewährleisten schreiben die Regulierer neben den Abschlägen ebenfalls eine Mindestzusammensetzung der Liquiditätsreserve vor. So muss die Liquiditätsreserve zu mindestens 30% aus Stufe 1 Aktiva bestehen (ohne Einbezug von gedeckten Schuldverschreibungen von Instituten), zu 60% aus Stufe 1 Aktiva mit gedeckten Schuldverschreibungen von Instituten bestehen und es dürfen maximal 15% Stufe 2b Assets der Liquiditätsreserve zugeordnet werden.

Netto-Liquiditätsabflüsse

Die Netto-Liquiditätsabflüsse sind die Summe der Liquiditätsabflüsse und Liquiditätszuflüsse der Bank innerhalb von 30 Kalendertagen. Dabei dürfen die Zuflüsse maximal 75% der Abflüsse betragen. Die Kappung simuliert den Ausfall oder den Zahlungsverzug von Gegenparteien. Zur Berechnung der Liquiditätszuflüsse werden die tatsächlichen Liquiditätszuflüsse verwendet. Bei den Liquiditätsabflüssen hingegen werden zum einen tatsächliche Mittelabflüsse als auch durch das Stressszneario induzierte Abflüsse verwendet. Die potenziellen Abflüsse aus dem Einlagengeschäft werden durch ein, der Krise nachempfundenem Verhalten der Einleger, durch Abflussraten festgelegt. Diese betragen für Einlagen zwischen 3% und 100% des Bilanzwerts. Hierbei sind die stabilen Privatkundeneinlagen weniger volatil als die institutionellen Einlagen. Die Abflussraten werden durch folgende Fragestellungen differenziert:

Einlagenkategorisierung

Ab dem 1.10.2015 ist die LCR mit 60% zu erfüllen. Die Regulierer entscheiden sich für eine weiche Implementierung der Kennzahl und geben den Banken bis spätestens 2018 Zeit, ihre Liquiditätsreserven auf 100% der Netto-Liquiditätsabflüsse aufzustocken. Die Mitgliedsländer können diesen Prozess freiwillig beschleunigen. Was passiert, wenn eine Bank die verpflichtende Mindestgröße unterschreitet? Dies ist durchaus eine berechtigte Frage, denn in einem Stressszenario muss die Bank die Liquiditätsreserven angreifen um Zahlungsverpflichtungen nachzukommen. Wenn also eine Bank die Mindestgröße unterschreitet, ist dies unverzüglich bei der zuständigen Aufsichtsbehörde zu melden. Des weiterem ist der Aufsichtsbehörde ein detaillierter Plan zum Wiederaufbau der Liquiditätsreserve vorzulegen.

Dieser Beitrag hat Ihnen einen sehr intuitiven Einblick in die LCR gegeben. Tatsächlich ist die Kennzahl wesentlich technischer, als hier dargestellt. Dies ist jedoch für das Verständnis und die Implikationen der Kennzahl von untergeordneter Bedeutung und ist im einzelnen den Publikationen des delegierten Rechtsakts oder der CRR zu entnehmen.

Grundlage und Stand dieses Beitrags:

Delegierter Rechtsakt zur Mindestliquiditätsquote – 10.10.2014: http://ec.europa.eu/finance/bank/regcapital/acts/delegated/index_de.htm

CRR/CRD IV: http://ec.europa.eu/finance/bank/regcapital/legislation-in-force/index_en.htm#maincontentSec1

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Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.