Basel III: Ist die Regulierungskritik begründet?

Beiragsbild

Mit der gesetzlichen Umsetzung von Basel III wurde immer wieder von den Regulierungkritikern vor den wirtschaftlichen Folgen einer Umsetzung gewarnt. Als Hauptargument galt:

 

Basel III wird die Zinsen von Bankkrediten erhöhen und könnte sogar zu einer Kreditklemme führen. Insbesondere das weniger lukrative Mittelstandsgeschäft wird von den Banken zurückgefahren.

 

In diesem Beitrag zeige ich die Argumente der Kritiker auf, veranschauliche die kausalen und theoretischen Zusammenhänge der Argumente und bündele diese zu einer Argumentationskette. Nach einem Jahr Basel III möchte ich zudem mit einem einfachen Chart aufzeigen, ob die oben aufgestellte These sich für richtig erwiesen hat.

 

Mehr Eigenkapital verursacht höhere Kosten

Die Argumentation der Regulierungsgegner basiert auf der Annahme, dass der Verschuldungsgrad von Banken die Rentabilität beeinflusst. Das bedeutet es spielt eine Rolle, ob sich die Banken mit Eigenkapital oder Fremdkapital finanzieren. Die Irrelevanzannahme des Verschuldungsgrads für die Gesamtfinanzierungskosten gemäß dem Modigliani-Miller-Theorem von 1958 konnte für Banken widerlegt werden. Das Theorem gilt für Banken unteranderem nicht, wegen der steuerlichen Bevorzugung von Fremdkapital, der Bailout-Subventionen und der Möglichkeit sich über Spareinlagen zu finanzieren. Demnach steigen durch die erhöhten Eigenmittelanforderungen gemäß Basel III die Kapitalkosten der Institute.

 

Höhere Kosten verursachen steigende Zinsen

Ein Bestandteil der Kalkulation von Kreditzinsen ist die Eigenmittelunterlegung. Dabei ist der zur Unterlegung veranschlagte Betrag an Eigenkapital das Maximum aus ökonomischen und regulatorischen Kapital. Es ist davon auszugehen, dass das regulatorische Kapital das ökonomische Kapital bei Adressausfallrisiken weitgehend übersteigt, sodass die regulatorischen Eigenmittelanforderungen maßgeblich für die Kreditkalkulation sind. Da, wie sie wissen, Basel III die Eigenmittelanforderungen erhöht, verändert sich ebenfalls der Finanzierungsgrad der Unternehmen. Banken brauchen mehr Eigenkapital.

Die Kapitalkosten werden bestimmt aus der Hurdle Rate und der von dem Kreditgeschäft veranschlagten Kapitalbindung. Eine Folge der gestiegenen Kapitalkosten bei gleichbleibenden Umständen ist eine schrumpfende Nettozinsmarge. Um den Einfluss zu negieren, erhöhen besonders die Großbanken, bedingt durch das Gewinnmaximierungsstreben, den Eigenkapitalkostenaufschlag in der Kreditkalkulation. Die steigenden Kapitalkosten werden eingepreist und weitergegeben.

Soweit die Theorie. Viele Wirtschaftswissenschaftler sahen mit der Publikation von Basel III im Dezember 2010 und begründet durch den oben beschriebenen Argumentationsstrang steigende Zinsen und damit auch ein verringertes Kreditangebot als Folge.

 

Angekommen in der Gegenwart

Basel III ist seit einem Jahr rechtskräftig. Nun ist es sicherlich Interessant zu prüfen, inwieweit sich die Befürchtungen der Regulierungsgegner bewahrheitet haben. Die Datengrundlage für den Chart bilden die makroökonomischen Zeitreihen der Bundesbank. Wir betrachten den Effektivzins und das Volumen der Neugeschäfte an Unternehmen von deutschen Banken. Ohne weiteres zu hinterfragen zeigt der Chart nahezu das Gegenteil von dem, was die Regulierungsgegner 2010 befürchteten. Die effektiven Zinsen sinken und die Neugeschäftsvolumina steigen im Trend von 2010 bis 2015 an.

 

Zinsentwicklung

 

Die Abbildung liefert uns bei einer differenzierteren Betrachtung eine weitere Information. Nehmen wir die Geldpolitik der Europäische Zentralbank in unserer Analyse hinzu, so erkennen wir, ohne die theoretischen Verknüpfungen der Kritiker in Frage zu stellen, dass die Entwicklung der Zinsen und der Neugeschäftsvolumina offensichtlich nur marginal durch die Effekte von Basel III beeinflusst wird. Die positiven Effekte der Geldpolitik übersteigen die negativen Effekte der Regulierung, sodass hierdurch der Argumentationsstrang der Regulierungsgegner nicht komplett wiederlegt werden kann.

Fazit:

Um das Ausbleiben einer Kreditklemme komplett zu bestätigen, müsste natürlich noch die Kreditnachfrage betrachtet werden. Für die Regulierungskritik an Basel III ist dies jedoch nicht notwendig. Die Analyse zeigt auf, dass die bereitgestellten Kreditvolumina der Banken gestiegen sind. In der Analyse differenzieren wir jedoch nicht nach den Ratings der Kreditnehmer. Es ist davon auszugehen, dass insbesondere durch Basel III das Kreditvolumen im unteren Ratingbereich überdurchschnittlich stark von den Banken verringert wird. Die prognostizierten negativen Effekte von Basel III werden durch die Geldpressen der Europäischen Zentralbank verzerrt, sodass eine klare Aussage über die Folgen des Regulierungspakets für den Mittelstand auch ein Jahr nach der Implementierung nicht getroffen werden kann.

 

Mehr über Basel III erfahren

Erfahren Sie mehr über das komplexe Regulierungsuniversum Basel III. Hier bekommen Sie einen Überblick über die Instrumente der Bankenregulierung.
Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.