Basel III: mehr Eigenmittel für bessere Risikodeckung?

Bankgebäude

Das Basel Committee of Banking Supervision hat sich nicht nur dafür ausgesprochen, die Eigenmitteldefinition und somit die Qualität der Eigenmittel zu erhöhen, sondern verlangt auch eine Erhöhung der quotalen Eigenmittel zu den Risikoaktiva. Einen besonderen Fokus legt dabei der Baseler Ausschuss auf die Steigerung der harten Kernkapitalquote von heute 2% bis 2015 auf 4,5 % der risikogewichteten Aktiva. Das Minimum des Kernkapitals beträgt 6% der risikogewichteten Aktiva und bildet sich aus der Summe des harten Kernkapitals und des zusätzlichen Kernkapitals. Das Ergänzungskapital verliert aufgrund seiner geringeren Qualität an Bedeutung und wird mit einem Zielwert von 2% der risikogewichteten Aktiva versehen, sodass sich in der Summe weiterhin eine Gesamtkapitalanforderung von 8% der risikogewichteten Aktiva ergibt.

Mehr Eigenmittel für mehr Risikodeckung_

Zusätzlich zu den Bestandteilen der Gesamtkapitalanforderung wird durch das CRD IV-Paket ein Kapitalpuffersystem eingeführt, das in hartem Kernkapital vorzuhalten ist. Ab dem Jahr 2016 werden zwei Kapitalpuffer eingeführt, die jeweils kontinuierlich um 0,625% der risikogewichteten Aktiva zunehmen, bis sie ihren Zielwert im Jahr 2019 von 2,5% erreichen. Mehr Eigenmittel für mehr Risikodeckung_ 1Dies betrifft zum einen den Kapitalerhaltungspuffer und zum anderen den Antizyklischen Puffer. Konzeptionelles Ziel der Puffer ist es, in ökonomisch starken Zeiten eine Reserve zur Abfederung von Verlusten in Krisenzeiten zu schaffen, ohne dass durch die Verwendung von Eigenmitteln, die von der Aufsicht geforderte Mindestkapitalquote unterschritten wird.

 

Somit wird das vorherrschende regulatorische Paradoxon gelöst. (Höhere Mindestkernkapitalsätze der Aufsicht können von den Instituten ohnehin nicht genutzt werden, da ein Unterschreiten des Mindestschwellenwertes zu einer Sanktion führen würde) Durch das Abschmelzen der Puffer unterliegt das Institut steigender prozentualer Ausschüttungssperren des Ertrags. Dieser Mechanismus gewährleistet, dass die schlecht kapitalisierten Banken in Krisenzeiten nicht weiter Dividenden ausschütten, wie es z.B. in den Vereinigten Staaten geschehen ist, sondern sich rekapitalisieren müssen.Der Antizyklische Puffer wird eingeführt, um eine konjunkturelle Glättung der Kreditvergabe in dem Solvabilitätskoeffizienten zu gewährleisten. So wird in „Boomphasen“ die Kreditvergabe durch Aufbau eines Puffers gemindert und im „Abschwung“ mittels Abbau des Puffers ein Spielraum zur Kreditvergabe geschaffen. Bei Überschreitung diverser makroökonomischer Indikatoren muss der Aufbau des Antizyklischen Puffers bei den Instituten spätestens 12 Monate nach dem Ausruf zum Aufbau durch die nationalen Aufsichtsbehörden erfolgt sein.

In der Finanzkrise offenbarten sich weitreichende systemische Risiken im Finanzsektor. Als Absicherung werden neben den o.g. Kapitalpuffern, den nationalen Aufsichtsbehörden durch die Richtlinie drei weitere Kapitalpuffer zur Absicherung gegen Systemrisiken zur Verfügung gestellt. Zur Stabilisierung von global systemrelevanten Instituten (G-SRI) kann eine Eigenkapitalunterlegung von 1% bis zu einer Höhe von 3,5% der risikogewichteten Aktiva auf konsolidierter Ebene verlangt werden. Zur Einschätzung der Institute werden den nationalen Behörden Indikatoren der globalen Systemrelevanz zur Verfügung gestellt. In einem Rankingsystem werden den betroffenen Instituten die Risikopuffer zugewiesen. Der Risikopuffer für anderweitig systemrelevante Institute (A-SRI) wird nach ähnlichen, jedoch weniger starren Indikatoren bestimmt und darf maximal in Höhe von 2% der risikogewichteten Aktiva veranschlagt werden. Der Puffer für A-SRI kann auf sämtlichen Konsolidierungsebenen, als auch auf Einzelinstitutsebene erhoben werden.

Der dritte Kapitalpuffer für systemische Risiken kann von den Aufsichtsbehörden der Mitgliedsstaaten erhoben werden, Mehr Eigenmittel für mehr Risikodeckung_ (2)wenn langfristige, nicht zyklische systemische oder makroprudenzielle Risiken auf nationaler Ebene entstehen. Der Kapitalpuffer für systemische Risiken beträgt mindestens 1% der risikogewichteten Aktiva. Bis zu einer Pufferhöhe von 3% müssen lediglich die übergeordneten Aufsichtsbehörden informiert werden. Pufferquoten oberhalb der 3% sind durch die nationalen Behörden nicht ohne weiteres durchsetzbar.

Die drei Kapitalpuffer zum Systemrisiko wirken grundsätzlich nicht additiv, da diese die gleiche Risikokategorie abdecken. Es wird lediglich der höchste Kapitalpuffer für das Kreditinstitut veranlasst. Die einzige Ausnahme ist, wenn ein Systemrisikopuffer lediglich auf Forderungen eines bestimmten Mitgliedsstaats erhoben ist. Nur in diesem Fall wird der Systemrisikopuffer zu dem höchsten Kapitalpuffer der Gruppe addiert. Somit ergibt sich unter Einbeziehung der Kapitalpuffer und des maximalen Zuschlags für systemrelevante Banken ab dem Jahr 2019 eine harte Kernkapitalquote von 13% der risikogewichteten Aktiva. Das bedeutet eine Steigerung des harten Kernkapitals um das 6,5 fache zu Basel II,5.

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Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.