Basel III: Regultorische Eigenmittel sind nicht nur Eigenkapital

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In diesem Beitrag zeige ich die Unterschiede zwischen dem bilanziellen Eigenkapitalbegriff und dem regulatorischen Eigenmitteln auf. Insbesondere stelle ich das System der Eigenmittel gemäß Basel III vor und zeige die Kerneigenschaften, sowie die Finanzinstrumente der einzelnen Kapitalkomponenten auf. Offensichtlich werden dabei die Gemeinsamkeiten und Gegensätzte der beiden Kapitalkonzepte.

Die Aufgabe des Eigenkapitals

Eigenkapital dient im allgemeinen als Haftungsmittel der Institution. Durch das Eigenkapital werden die laufenden Verluste aufgefangen (going concern) und garantiert für den Fortbestand der Bank. Ist kein Eigenkapital mehr vorhanden (gone concern) muss die Insolvenz angemeldet werden (Liquidität wird hier bewusst ausgeklammert). Damit liegt auf der Hand, dass das Eigenkapital das Herz der unternehmerischen Tätigkeiten ist und sein quoataler Anteil an dem Finanzierungsmix von essenzieller Bedeuteung für die Risikobetrachtung.

 Unterschiedliche Eigenkapitalbegriffe

Eigenmittel nicht gleich Eigenkapital2Bemessungsgrundlage für den Solvabilitätskoeffizienten ist nicht ausschließlich das bilanzielle Eigenkapital. Im Zusammenhang mit dem Solvabilitätskoeffizienten gemäß Basel III spricht man nicht mehr von Eigenkapital, sondern von Eigenmitteln. Der Eigenmittelbegriff ist wesentlich ausgedehnter als lediglich das bilanzielle Eigenkapital. Für die einzelnen Eigenmittelklassen hat das Basel Committee on Banking Supervision (BCBS) 9 bis 14 pünktige Kriterienkataloge veröffentlicht, die weitgehend von der Europäischen Kommission in der CRR übernommen wurden. Die regulatorischen Eigenmittel untergliedern sich in Hartes Kernkapital, Zusätzliches Kernkapital und Ergänzungskapital.

Hartes Kernkapital

Eigenmittel nicht gleich Eigenkapital3Bei der Definition des harten Kernkapitals gemäß BCBS wird in erster Linie sichergestellt, dass die Instrumente ohne Einschränkungen Verluste des Bankgeschäfts tragen, es unbefristet zur Verfügung steht und nur nachrangig bei Forderungen gegen das Kreditinstitut bedient werden muss. Die Definition des hartem Kernkapitals ist sehr nahe an dem bilanziellen Eigenkapital einer Aktiengesellschaft angelegt. Dabei entspricht das harte Kernkapital den ausgegebenen Aktien, dem daraus erzielten Aufgeld, den Rücklagen und dem Bilanzgewinn. Die harten Eigenkapitalinstrumente von Instituten mit einer anderen Rechtsform als der börsennotierten Aktiengesellschaft sind nach den Kriterien des Katalogs zu bewerten. Der „substance over form“-Grundsatz wird von der Europäischen Kommission fortgeführt. Die Instrumente müssen in diesem Fall eine Äquivalenz in deren Ausgestaltungscharakteristika zu Stammaktien bzw. dem gezeichneten Kapital besitzen.

Zusätzliches Kernkapital

Eigenmittel nicht gleich Eigenkapital4Das zusätzliche Kernkapital ist in seiner Definition sehr nahe an dem harten Kernkapital. Ein grundlegender Unterschied zum harten Kernkapital ist die Möglichkeit der Kündigung nach mindestens 5 Jahren durch den Emittent. Ebenfalls ist zu beachten, dass Ausschüttungen nur von ausschüttbaren Posten des zusätzlichen Kernkapitals vorgenommen werden dürfen und im vollen Ermessen des Instituts liegen. Zusätzlich sieht die CRR eine Umwandlung des zusätzlichen Kernkapitals in hartes Kernkapital oder eine Abschreibung auf das zusätzliche Kernkapital vor, wenn die Kernkapitalquote unter 5,125% sinkt. Durch diese Maßnahme wird auch das zusätzliche Kernkapital mit dem harten Kernkapital verknüpft und an der Verlustabsorption beteiligt. Das gesamte Kernkapital trägt die Bezeichnung Going-Concern-Kapital. Es soll sicherstellen, dass die laufenden Verluste des Instituts aufgefangen werden können und der Fortbestand des Instituts garantiert wird. Kapitalinstrumente des zusätzlichen Kernkapitals, sind hauptsächlich hybride Kapitalinstrumente (Mischung aus Eigenkapital- und Fremdkapitalcharakteristiker), die dem Kriterienkatalog standhalten, wie zum Beispiel Vorzugsaktien und Contingent Convertible Bonds.

Ergänzungskapital

Eigenmittel nicht gleich Eigenkapital5Einem anderen Zweck dient das Ergänzungskapital. Nach Basel III sollen die Verluste lediglich im Liquidations- oder Insolvenzfall (gone concern) durch das Ergänzungskapital getragen werden.

Die Zurechnung zum Ergänzungskapital erfolgt über einen Kriterienkatalog mit 9 Prüfungspunkten. Diese orientieren sich in Analogie zum zusätzlichen Kernkapital hauptsächlich an Kriterien der Nachrangigkeit gegenüber Einlegern und fordern eine Mindestlaufzeit von 5 Jahren. Insbesondere in der letzten Eigenmittelklasse befinden sich Kapitalinstrumente, die nicht im Einklang mit bilanziellen Eigenkapital stehen. Hier befindet sich Hybridkapital und bestimmtes Fremdkapital. Mögliche Instrumente des Ergänzungskapitals, die dem Kriterienkatalog standhalten, sind Genuss­recht­verbindlich­keiten oder Nachrangverbindlichkeiten.

Fazit

In diesem Beitrag sind die Gemeinsamkeiten und Gegensätze der beiden Kapitaldefinitionen vorgestellt worden. Es wird aufgezeigt, dass der regulatorische Eigenmittelbegriff weisentlich weiter gefasst ist, als das bilanzielle Eigenkapital. Grund für die unterschiedlichen Definitionen ist der Verwendungszweck. Während das bilanzielle Eigenkapital stets mit der Going Concern Perspektive einer Bank konfrontiert ist, betrachten die regulatorischen Eigenmittel ebenfalls die Gone Concern Perspektive. Die Eigenmittel dienen in diesem Fall als absolute Risikodeckungsmasse für die Bank und deren Geschäfte. Mit dem Wissen über die zwei unterschiedlichen Kapitaldefinitionen entstehen unweigerlich weitere Fragen: Ist der Eigenmittelbegriff zu weit gefasst? Warum wird Hybridkapital mit Fremdkapitalcharakter mit Eigenkapital gleichgesetzt? Und wie interagieren die Risikoaktiva mit den Eigenmitteln?

 

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Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.

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