Braucht es einen Eigenmittelzuschlag in der Kreditkalkulation?

Beitragsbild

 

Der Beitrag diskutiert die Frage, ob eine Bank bei der Kreditzinskalkulation Eigenmittelkosten veranschlagen sollte. Dabei baut der Beitrag auf der These auf, dass sowohl Eigenmittelkosten als auch die Risikokosten die identische Berechnungsgrundlage haben und argumentativ schwer von einander zu trennen sind. Der Beitrag trennt zunächst die beiden Kalkulationsbestandteile feingliedrig auf und zeigt welche Konsequenzen eine Fehlkalkulation für die Bank hat. Einen Einblick in die Zinskalkulation bei Krediten gibt das rechts stehende Schaubild. Typische Komponenten der Kreditkalkulation sind die Refinanzierungskosten, Betriebskosten, Eigenmittelkosten und die Risikokosten. Die Bank wählt bei der Berechnung des Zinssatzes einen Zins, der die Kosten vollumfänglich deckt. Die Differenz zwischen Kundenzins und Kosten der Bank ist die Gewinnmarge. Um die Frage des Beitrags zu klären, müssen wir drei Kalkulationskomponenten besonders beleuchten.

Kundenzins

 

Komponente Refinanzierungskosten: Für den von dem Kontraktpartner gewünschten Kredit wird das äquivalent am Geld und Kapitalmarkt gesucht. Hierbei werden Vertragsparameter wie Laufzeit, Volumen, etc. mit dem am Markt herrschenden Tageszinssatz und dem laufzeitkongruenten Zinssatz gebenchmarkt. Die Bank legt damit die Konditions- und Strukturmarge fest, die für den barwertigen Refinanzierungsgedanken maßgeblich sind.

Komponente Eigenmittelkostenaufschlag: Wie Sie bereits wissen, oder auch in vielen Artikeln auf dieser Seite gerne nachlesen können ist durch die Bankenregulierung eine Bank verpflichtet für das Adressausfallrisiko eines Kredites einen gewissen Prozentsatz an Eigenmitteln im Verhältnis zu den Risikoaktiva zu halten, um mögliche Ausfälle des Kreditportfolios abzufangen. Das Halten von Eigenmittel verursacht der Bank kosten, da das Irrelevanz-Theorem von Modigliani Miller für die Unternehmensfinanzierung bei Banken nicht gilt. Die Kosten der Eigenmittel möchte die Bank natürlich decken. Dafür kalkuliert sie den Eigenmittelzuschlag bei der Kreditvergabe. Also auf den Punkt zusammengefasst: Die Bank hält eine Reserve an Eigenmitteln um die laufenden Verluste durch Kreditausfall aufzufangen.

Komponente Risikokosten: Sämtliche Risiken, die von der Bank quantifiziert werden können fließen in die Kreditkalkulation ein. Für unsere Problemstellung ist jedoch bei der Kreditkalkulation nur eine Risikogröße relevant. Namentlich sind diese Risiken die Adressausfallrisiken, die eine Bank durch einen Risikoaufschlag in der Kreditkalkulation auf den Kundenzins aufschlägt. Die Höhe des Risikoaufschlags ist dabei abhängig von der Ausfallwahrscheinlichkeit des historischen Kreditportfolios und der Bonitätsbeurteilung des Kreditnehmers. Die Bank vereinnahmt von den Kunden einen Aufschlag für künftig auftretende Kreditausfälle.

 

Die Frage: Ist es redundant Eigenmittelkosten, die auf Grundlage von Adressausfallrisiken erhoben werden, in der Kreditkalkulation anzusetzen, wenn bereits eine Risikoprämie für Ausfallrisiken erhoben wird? – Nun am besten beginnen wir den Argumentationsstrang bei der Komponente Risikokosten. Wofür veranschlagt die Bank bei der Kreditkalkulation Risikokosten für Adressausfallrisiken? Ein einfaches Beispiel: Eine Bank hat 1000 Kredite mit einem Nominalvolumen von je 1000€. In den vergangenen Jahren ist jeder Hundertste Kredit ausgefallen. Das bedeutet eine Ausfallwahrscheinlichkeit von 1%. Die Bank erwartet insgesamt einen Ausfall von 10.000 Euro. Um diesen Ausfall aufzufangen wird die Bank für die Kredite einen Aufschlag wählen, der diesen Ausfall kompensiert. In dem Moment, in dem der Kunde seine Zinsen bezahlt, trägt er ebenfalls das Risiko des Ausfalls und sorgt für die notwendigen Eigenmittel zur Deckung der erwarteten Verluste. Hiermit rechtfertigen wir die Existenz für die Risikokosten in der Kreditkalkulation.

 

Bank

 

Und was ist mit den Eigenmittelkosten? Warum sollten wir noch Eigenmittelkosten kalkulieren, wenn sich die Verluste aus Kreditausfällen selber tragen? – Grundsätzlich bieten die Regulierer der Bank zwei Modelle zur Bestimmung der Adressausfallrisiken und damit zur Unterlegung mit Eigenmitteln: Der Kreditrisiko Standardansatz (KSA) und einen auf internen Ratings basierenden Ansatz (IRB). Der IRB-Ansatz wurde mit Basel II eingeführt und sollte die Banken in erster Linie zur Auseinandersetzung mit den Ausfallrisiken im eigenen Portfolio animieren. Den Instituten ist es in dem IRB Ansatz selbst überlassen, die Parameter Ausfallwahrscheinlichkeit, Verlust bei Ausfall und der Höhe des Kredits zum Zeitpunkt des Ausfalls zu schätzen. Durch die institutsspezifische Betrachtung ist in dem IRB Ansatz der mit Eigenmitteln zu unterlegende Betrag an Risikoaktiva geringer als in dem KSA Ansatz. Je mehr Parameter die Bank schätzt, desto konvergenter werden die Modelle zur Ermittlung von Standardrisikokosten und der Eigenmittelunterlegung. Ist der Betrag an Eigenmitteln bestimmt, kann dieser mit dem Kapitalkostensatz bewertet werden. Die Entstehenden Kosten werden an den Kreditnehmer weitergeleitet.

Wir stellen also fest, dass sowohl die Ermittlungsmethodik, als auch das Motiv der beiden Kreditkalkulationskomponenten sehr eng miteinander verknüpft ist. Es hat den Anschein, dass sollten beide Komponenten in die Kreditkalkulation einfließen, die Bank ihre Adressausfallrisiken doppelt versichert.

 

Also können wir den Eigenmittelzuschlag bei der Kreditkalkulation vernachlässigen? – Ich denke nicht! Auch wenn es scheint, dass der Zuschlag redundant ist, darf ein wichtiger Aspekt nicht vernachlässigt werden. Die Unterlegung eines Kredits mit Eigenmitteln ist gesetzlich vorgeschrieben. Es handelt sich also nicht um eine Opportunität. Gesetzlich muss die Bank den Kredit mit 8% Eigenmitteln unterlegen, auch wenn die Verluste von Kreditausfällen durch die Ausfallrisikoprämie gedeckt ist. Die Motivation einen Eigenmittelzuschlag in die Kreditkalkulation mit aufzunehmen ist jedoch nicht das Decken von Adressausfallrisiken. Es handelt sich hierbei vielmehr um ein Kalkulationselement zur Deckung der Refinanzierungskosten. Durch dieses Argument können wir das Anrechnen des Eigenmittelzuschlag in der Kreditkalkulation legitimieren.

 

Was würde also passieren wenn wir die Eigenmittelkosten nicht in die Kreditkalkulation integrieren? – Die Refinanzierungskosten werden bereits in der Kreditkalkulation berücksichtigt (Struktur- und Konditionsmarge). Wie im vorherigen Abschnitt bereits erörtert muss die Bank 8% der Risikoaktiva mit Eigenmitteln unterlegen. Die Kosten für die Eigenmittel übersteigen die Kosten für das Fremdkapital, welches für die Refinanzierungskosten herangezogen werden. Sollte die Bank auf die Erstattung der Eigenmittelkosten verzichten, dann sinkt die von der Bank kalkulierte Marge, oder die Bank macht sogar einen Verlust mit dem vergebenen Kredit. Der Verlust errechnet sich approximativ (Unterstellt ist Eigenmittel = Eigenkapital) in Höhe von RWA*0,08*(EMK-REFI).

Kalkulationsfehler = RWA_0,08_(EMK-REFI)

 

Fazit: Auch wenn es scheint, dass die Berechnung von Eigenmittelkosten durch die Einführung des IRB Ansatz redundant ist, würde ein Verzicht für die Bank Kosten verursachen. Ich habe aufgezeigt, dass zwar die Berechnungsmethodik der beiden sehr konvergent, der Kalkulationszweck hingegen ein anderer ist. Hier stehen sich Ausfallrisikokosten und Eigenmittelkosten gegenüber. Zum einen also die Risikodeckung und zum anderen Refinanzierungsaspekte. Natürlich ist dieser Ansatz sehr restriktiv und verursacht für den Kunden höhere Zinszahlungen. Die Folge für die Banken wären entgangene Kredite und eine geringere Wettbewerbsfähigkeit. Diese restriktive Kalkulation hat jedoch einen unschlagbaren Vorteil. Sollten in einem schlechten Jahr die Risikokosten vollkommen ausgeschöpft werden, dann ist zumindest die Eigenmittelrefinanzierung gedeckt. Es werden weniger Verluste eingefahren und die Bank ist in diesem Szenario wettbewerbsfähiger.

 

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Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.