Die risikoorientierte Gesamtbanksteuerung: ökonomisches Kapitalmodell

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Im Fokus der Regulierer steht die Risikolimitierung, also das Begrenzen der von dem Institut eingegangenen Risiken. Durch die Risikolimitierung kann die Risikotragfähigkeit (vgl. MaRisk) gewährleistet werden. Die Risiken in der Bankenlandschaft sind vielschichtig. Die oberste aufsichtsrechtliche Risikolimitierung wird durch das Eigenkapital der Institute vorgegeben. Das geschieht in Form von Basel III unter anderem durch das Meldeinstrument CoRep, oder auch Solvabilitätskoeffizient genannt. Um nachzuvollziehen wie das Regulierungspaket Basel III funktioniert, sind Kenntnisse über die risikoorientierte Gesamtbanksteuerung unabdingbar. Dieser Beitrag wird dazu genutzt, die Grundlagen des ökonomischen Kapitalmodells darzustellen. In diesem Modell steht das ökonomische Kapital, welches die Risikodeckungsmasse darstellt, dem ökonomischen Kapitalbedarf, also den quantifizierten Risiken, gegenüber. Der Prozess zur Ermittlung des ökonomischen Kapitals kann wie folgt dargestellt werden:

 

Zur Ermittlung des ökonomischen Kapitals müssen zunächst sämtliche Einzelrisiken der Bank identifiziert werden. Das können beispielhaft Adressausfallrisiken, also Risiken die aufgrund von Ausfall der Kreditrückzahlung entstehen, sein. Oder aber auch Risiken, die aufgrund von Marktveränderungen entstehen, wie zum Beispiel das Wechselkurs Risiko oder allgemeine Kursrisiken. Andere Risiken wären operationelle Risiken, Geschäftsrisiken sowie Liquiditätsrisiken.

 

Für den Identifikationsprozess müssen zwei Fragen geklärt werden. Wie wird der Risikobegriff einer Bank definiert? Und wie kann das Risiko gemessen werden? Als Risiko wird der potenzielle, unerwartete Verlust bezeichnet, der durch eine schlechtere Entwicklung geplanter transaktionswertbestimmender Größen entsteht. Die Risiken werden mit einem Risikomaß gemessen. Das gängige Risikomaß ist der Value at Risk. Er stellt den geschätzten maximalen unerwarteten Verlustbetrag dar, der mit einer bestimmten Wahrscheinlichkeit (Konfidenzniveau z.B. 99%) in einem bestimmten Zeithorizont nicht überschritten wird. Im Bankbereich werden sämtliche Risiken als monetäre Größe dargestellt, also quantifiziert.

 

Wenn jedes Geschäft auf seine Risiken durchleuchtet wurde, kann durch summieren jeglicher Risiken das Gesamtbankrisikoprofil erstellt werden. Bei diesem Prozess werden sämtliche Korrelationen der Risiken berücksichtigt, die mittels Varianz-Kovarianz-Methoden berücksichtigt werden. Das Gesamtbankrisiko stellt gleichzeitig den ökonomischen Kapitalbedarf dar. Die potenziellen Risiken müssen mit Risikodeckungsmasse, also Eigenkapital, unterlegt werden. Durch die Verbindung von Risiken und Eigenkapital werden die Verlustpotenziale mit verlustabsorbierenden Kapitalbestandteilen verknüpft und die Risikotragfähigkeit eines Instituts gewährleistet.

 

Diese Verknüpfung ist von essenzieller Bedeutung für die Regulierung gemäß Baseler Ausschuss. Denn im Umkehrschluss bedeutet das, dass eine Bank nur so viele Risiken eingehen darf, wie es an Eigenkapital zur Deckung dieser zur Verfügung hat. Die Risiken werden durch das Eigenkapital limitiert. Das Eigenkapital ist somit die begrenzende Ressource für alle Bankgeschäfte. Auf Einzelgeschäftsebene kann durch risikoorientierte Rentabilitätskennziffern Transaktionen mit unterschiedlichen Risikoprofilen, hinsichtlich ihrer Performance vergleichbar gemacht werden. Das bedeutet, dass der Ertrag eines Investments ins Verhältnis mit dem ökonomischen Kapital gesetzt wird, anstatt mit dem investierten Kapital. Bei dem oben beschriebenen Performancebegriff handelt es sich um den Return on Riskadjusted Capital, kurz RORAC.

 

Der Beitrag hat gezeigt, dass durch die risikoorientierte Steuerung eine Bank auf vielen Ebenen gesteuert werden kann. Von der Einzeltransaktionsebene, über die Geschäftsfeldsteuerung, bis hin zur Gesamtbanksteuerung kann eine Bank risikoorientiert geführt und Anlageentscheidungen legitimiert werden. Des weiterem wurde ein Grundstein für das Verständnis für die Baseler Eigenkapitalregulierung gelegt.

 

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Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.

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