Digital Banking – Was heute für die Zukunft getan werden muss

Digital Banking: Was heute für die Zukunft getan werden muss

Eine App mit der ich Bankgeschäfte bequem und ortsunabhängig erledigen kann? „Hab ich doch schon!“ könnten viele Kunden sagen. Damit ist die Digitalisierung jedoch noch nicht abgeschlossen. Auch wenn auf den ersten Blick die Bedürfnisse und Anforderungen an das Banking auf Kundenseite größtenteils befriedigt sind, besteht großer Handlungsbedarf auf Seite der Banken. Beispielsweise muss ein Kulturwandel stattfinden sowie die gesamten Arbeitsprozesse des Retail Bankings digitalisiert werden. Langfristig müssen Bedürfnisse für neue Produkte und Dienstleistungen von der Bank geschaffen werden, die mit dem Digital Banking kohärent sind.

Wie sieht die Zukunft des Digital Bankings aus? Einige Abläufe und Produkte sind bereits heute nicht mehr zeitgemäß, sondern zu zeitaufwändig und kostenintensiv. Digital Banking bedeutet  jedoch nicht, dass die Türme der Skyline von Frankfurt nachts nicht mehr leuchten, sondern eher das Gegenteil.

 

Bank der Zukunft

Natürlich werden einige Köpfe rollen, denn Digital Banking bedeutet auch eine Effizienssteigerung. Der Hauptfokus liegt jedoch in der Zukunftsgestaltung und sichert somit die Arbeitsplätze der verbliebenen Köpfe. Ressourcen müssen umverteilt werden, von Offline – zum Online-Berater und von „nine to five“ zu „twentyfour/seven“. Falls Sie eine Karriere in der Bankbranche anstreben, empfehlen wir Ihnen die Fachbereiche Risikomanagement, Online-Marketing, IT, Regulierung oder Compliance. Das Berufsbild des Bankers wird sich durch die Digitalisierung stark verändern. Insbesondere der Bankberater wird viele Aufgaben an die Technik verlieren. Es bleiben lediglich hochspezialisierte Berater für komplexe Finanzierungslösungen bei wichtigen Kunden. Falls Sie Ihren Nachwuchs ebenfalls in einer Bank unterbringen möchten empfehlen wir Ihnen eine Erziehung zum IT-Nerd, Mathe-Crack oder juristischem Korintenkacker.

 

Strategie: Der Wandel in den Köpfen! Digital Banking beinhaltet neben den technischen Komponenten ebenfalls einen Kultur- und Strategiewandel der Banken. Im Zentrum des Digital Bankings steht immer der Kunde, dessen Wünsche und Bedürfnisse zu befriedigen, sollte die Bank in den Vordergrund stellen. Die vier wichtigsten Anforderungen die der Kunde an Digital Banking stellen wird, sind:

  • Integrierte Echtzeit: Sämtliche Transaktionen in EINEM integrierten System in Echtzeit planen, steuern und überwachen!
  • Angemessenes Involvement: Mehr Anwendungen und Funktionen, die dem Kunden einen Mehrwert liefern!
  • Individualisierung: Produkte und Dienstleistungen die auf jeden Kunden individuell zugeschnitten sind!
  • Transparenz: Zugriff auf alle den Kunden betreffenden Daten und Informationen sowie deren Auswertungen!

 

Integrierte Echtzeit

 

Die Bank, die es schafft, diese vier Anforderungen am besten zu bedienen, hat die höchste Chance auch künftig noch die Hausbank für ihre Kunden zu sein. In einem Zeitalter, in dem die Kundenloyalität kontinuierlich abnimmt und Kunden es immer leichter haben für ausgewählte, einzelne Produkte zu anderen Instituten zu gehen, ist dies eine besonders große Herausforderung. Der Trend geht dahin, dass Kunden ausschließlich auf die Konditionen schauen, da die wenigsten Banken sich über andere Aspekte differenzieren. Deshalb müssen Banken zur Wettbewerbsdifferenzierung ihren Kunden nachvollziehbare Vorteile aufzeigen, beispielsweise Synergieeffekte innerhalb ihres Produktportfolios. Ein weiterer entscheidender Aspekt, damit Kunden ihre Finanzprodukte nicht auf viele Institute streuen, ist eine exzellente Kundenbetreuung. Banken müssen verstehen, dass der Kampf um die Kunden längst begonnen hat. Die Bedeutung von Public Relations, Customer Relationship Management und einer ganzheitlichen kanalübergreifenden Kommunikationsstrategie wird unterschätzt.

 

Technologie: Der Wandel in den Prozessen! Digital Banking stellt viele Banken vor große Probleme. Bisher bieten die meisten Banken mit ihren Onlineleistungen Stand-Alone-Lösungen an. Die große Kunst des Digital Bankings ist eine sinnvolle Verzahnung und Digitalisierung der für das Retail Banking relevanten Prozesse. Laut einer McKinsey Studie sind lediglich 20-40% der Prozesse des Retail Bankings bereits digitalisiert. Das ist im Vergleich zur Digitalisierung der Bevölkerung viel zu langsam. Insbesondere wenn man die Dauer und die Geschwindigkeit der Digitalisierung beachtet wird klar, wie dringend Handlungsbedarf für Banken besteht.

 

Stand-Alone Lösung

Die großen Technologiekonzerne wie Google, Apple und Facebook sind den Banken technisch weit überlegen. Aber nicht nur dieser gewaltige Vorsprung, sondern auch der große Kundenstamm dieser Konzerne verursachen vielen Vorständen schlaflose Nächte. Sollten sich die Zahlungsdienstleistungen, so wie Facebook sie bereits anbietet, etablieren, ist dies das Ende des Retail Bankings, wie wir es heute kennen. Insbesondere durch einfache und in das Leben der Kunden integrierte Lösungen in etablierte Systeme, besteht die größte Gefahr für Banken, ihre Kunden zu verlieren. Wenn Nutzer sich mit nur einem Login gleichzeitig mit Freunden über ein gemeinsames Geburtstagsgeschenk austauschen und den Betrag in der gleichen Anwendung sammeln oder bezahlen können, besteht keine Notwendigkeit mehr sich umständlich in ein außenstehendes Banksystem einzuloggen.

Lassen Sie uns gemeinsam die Zukunft der Finanzbranche gestalten!
Alena Maria Kotter

Alena Maria Kotter

B.A. Sprache und Kommunikation

Alena Kotter hat sich auf digitale Kommunikation für Banken spezialisiert. Besonders wichtig ist ihr dabei die integrierte Betrachtung und Vernetzung der einzelnen Kommunikationskanäle. Sie hält Vorträge auf Konferenzen und teilt ihr Fachwissen in Social Media, Fachmedien und Blogs.
Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.