„Kein Basel IV auf dem Weg“ – aber wo geht es hin?

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Quo vadis Basel III? Die Worte der Überschrift habe ich mir aus dem heutigen Interview vom Chairman des Financial Stability Boards (FSB) Mark Carney geborgt. Für langjährige Beobachter des Regulierungsgeschehens sind die Worte von Carney jedoch keine Überraschung. Basel III soll langsam und stufenweise eingeführt werden. Derzeit befinden wir uns zumindest gemäß Zeitplan in der goldenen Umsetzungsmitte. Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) wurde grade mit der delegierten Verordnung überarbeitet und ist seit einem Monat verpflichtend zu 60% zu erfüllen. Die Net Stable Funding Ratio (NSFR) wartet auf ihren Einsatz im Jahr 2018. Die Leverage Ratio (LR) ist zurzeit in der Erprobungsphase, es ist jedoch fragwürdig ob und in welcher Höhe diese Kennzahl realisiert wird.

Basel III ist noch nicht annährend umgesetzt. Meiner Meinung nach gibt es zu viele Baustellen im derzeitigen Regulierungsrahmen, um einen neuen einzuführen. Es mangelt noch an technischen Umsetzungsstandards und einem Feingefühl für die wesentlichen Regulierungsinhalte!

Flaggschiff der Bankenregulierung sind die Eigenmittelanforderungen der Banken. Versäumnisse der Finanzkrise wurden in diesem Regulierungsfeld zeitnah angepasst. Die Qualität und Quantität der Eigenmittel wird dem Umschichtungszeitplan entsprechend stufenweise angepasst und die Eigenmittelpuffer (Kapitalerhaltungspuffer) werden im kommenden Jahr hochgefahren. Unsere global systemrelevanten Banken müssen zusätzliche Eigenmittel halten, um eine mögliche Insolvenz zu vermeiden. Diese gesamten Eigenmittelanforderungen zur Vermeidung der „Too Big To Fail“ Problematik werden seit dem Treffen des FSB im November 2014 Total Loss Absorbing Capital (TLAC) genannt. Hinter dem spektakulären Namen steht lediglich das komplett ausgefahrene Eigenmittel Regime von Basel III.

Das letzte Rahmenwerk aus Basel schreibt die Systemstabilität groß. Makroprudentielle Regulierung wie der antizyklische Kapitalpuffer wurde in den Vordergrund gestellt. Leaning against the wind soll dafür sorgen das keine Blasen entstehen. Die Euphorie der neuen Regulierungsstoßrichtung scheint jedoch schon wieder verpufft zu sein. Von den bedeutenden Finanzplätzen der Welt verwenden lediglich die Schweizer Aufsichtsbehörden meines Wissens nach dieses Instrument.

Auf welcher Grundlage soll dann Basel IV ausgestaltet werden? Bankenregulierung bedeutet in erster Linie aus Finanzkrisen lernen und sämtliche Probleme zu identifizieren und Prozesse zu optimieren, um die Stabilität des einzelnen Instituts, aber auch des Systems zu gewährleisten. Zukunftsorientierte proaktive Regulierung ist schwer zu realisieren. Mögliche Grauzonen im Finanzsystem zu prognostizieren ist kompliziert und birgt eine Gefahr: Zu voreilige Regulierung erstickt mögliche Finanzinnovationen im Keim und Regulierung an sich für jedes Institut ein großer Kostenfaktor ist. Mögliche Inhalte von Basel IV werden wir also erst in ein paar Jahren kennen lernen.

 

Mehr über Basel III erfahren

Erfahren Sie mehr über das komplexe Regulierungsuniversum Basel III. Hier bekommen Sie einen Überblick über die Instrumente der Bankenregulierung.
Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.