Kernelement der Bankenregulierung – Der Solvabilitätskoeffizient in Basel III

Bild Frankfurt

In diesem Beitrag wird das Fundament für ein tieferes Verständnis der Regulierung gemäß Baseler Ausschluss und auch für das Banking im Allgemeinen gegossen. Das Herz der Baseler Regulierer ist der Solvabilitätskoeffizient. Dieser ist das Rechenwerk zu den Eigenmittelanforderungen einer Bank (COREP). Da dieser Beitrag lediglich die Basis bildet, wird grob die Idee des Solvabilitätskoeffizienten skizziert. Die Feinmechanik, wie die Veränderungen und Auswirkungen von Basel III gibt es in den folgenden Artikeln in der Kategorie Banking.

Bankenregulierung als Quotient von Eigenkapital und Aktiva

Solvabilitätskoeffizient p1Die Eigenmittelanforderungen einer Bank berücksichtigen die Aktivseite der Bankbilanz. Aktivgeschäfte der Banken sind seit je her (1988) im Fokus der Regulierer. Daher musste ein Instrument gefunden werden, mit dem die Risiken der Bank begrenzt werden. Der Baseler Ausschuss verfolgt bei der Limitierung von Risiken einen Fixed Ratio-Ansatz, bezogen auf die Eigenmittel (8%). Vereinfacht ausgedrückt wird ein Verhältnis zwischen Eigenmitteln und Risiken gebildet, welches nicht überschritten werden darf. Genauer formuliert spricht man beim Solvabilitätskoeffizient von dem Mindestverhältnis zwischen dem aufsichtsrechtlich anerkannten Haftungskapital und der Summe der risikogewichteten Aktivpositionen des Instituts. Das Haftungskapital ist das aufsichtsrechtliche Eigenkapital. Es hat die Aufgabe, Verluste aus Risikoschwankungen aufzufangen. Durch die Kopplung von Eigenmittel und Risiko soll bei den Instituten eine ausreichende Risikotragfähigkeit hergestellt werden. Das aufsichtsrechtliche Kapital bestimmt somit die Anzahl möglicher Geschäfte der Bank.

Der Nenner: Die risikogewichteten Aktiva

Solvabilitätskoeffizientp2 Eine weitere wichtige Eigenschaft des Solvabilitätskoeffizienten ist, wie eben schon in seiner Definition angegeben, die Risikoadjustierung. Fakt ist, dass Bankgeschäfte unterschiedlich risikobehaftet sind. Als einfaches Beispiel für einen unterschiedlichen Risikogehalt könnte ein Pfandbrief und eine Aktie sein. Eine Eigenkapitalquote ohne Einbezug des Risikos (risikostarr) würde diese Tatsache unberücksichtigt lassen. Daher entschied sich das Basler Komitee schon in ihrem ersten Regulierungsrahmen Basel I für eine risikogewichtete Kapitalquote (risikosensibel). Das ein solcher Regulierungsansatz Gefahren birgt, ist offensichtlich. Der Solvabilitätskoeffizient funktioniert nur dann optimal, wenn sämtliche Risiken durch mathematische/statistische Modelle erfolgreich abgebildet werden können. Tendenziell werden durch das verwendete Verfahren Risiken unterschätzt. Das eindrucksvollste Beispiel für ein versagen der Risikomesssysteme ist wohl die Finanzkrise. Um ein zukünftiges Versagen der Risikomesssysteme einzudämmen, wird mit Basel III die Leverageratio als risikostarre Eigenkapitalquote eingeführt. Die Leverageratio dient als Korrektiv für den Solvabilitätskoeffizienten

Der Zähler: Das aufsichtsrechtliche Haftungskapital

Solvabilitätskoeffizientkopf3 (2)Neben den Risikoanpassungen der Aktiva wird ebenfalls ein anderer Eigenkapitalbegriff, als der bilanzielle verwendet. Neben dem tatsächlichen, in der Bilanz aufgeführten Eigenkapital, wird in dem Solvabilitätskoeffizienten auch bestimmtes Fremdkapital als Eigenkapitalkomponente akzeptiert. Um als aufsichtsrechtliches Haftungskapital zu gelten, muss das Fremdkapital dafür besondere Eigenschaften erfüllen. Beispielsweise müssen diese Kapitalinstrumente im Haftungsfall nachrangig sein. Dieses Fremdkapital mit Eigenkapitalcharakter heißt auch Hybridkapital. Über die Ausdehnung des Eigenkapitalbegriffs gibt es jedoch gespaltene Meinungen. Die Finanzkrise zeigte jedoch eindrucksvoll, dass dieses Hybridkapital nicht annähernd eine so gute Haftungsqualität hatte, wie das bilanzielle Eigenkapital. Vor allem, da die Struktur des aufsichtsrechtlichen Eigenkapitals von Basel II 3/4 Hybridkapital zuließ.

Das Fundament ist gegossen: Wir wissen jetzt, dass der Solvabilitätskoeffizient eine Risikogewichtete Eigenkapitalquote ist. Diese bildet sich als Quotient aus Aufsichtsrechtlichen Kapital und risikogewichteten Aktiva. Das Mindestverhältnis beträgt 8%. Erste Schwachstellen wurden aufgezeigt. In den nächsten Artikeln möchte ich weiter in die Tiefe gehen. Zeigen wie sich die einzelnen Komponenten des Solvabilitätskoeffizienten ermitteln. Aufweisen was Basel III verändert hat und die Sinnhaftigkeit der Änderungen diskutieren.

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Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.