Regulierung – Neue Grenzen setzen und der Weg zu Basel III (Teil 1)

Beitragbild

Der erste Teil des Beitrags beschäftigt sich mit den Fragen: Warum wird Regulierung benötigt und wie ist diese ausgestaltet worden? Die Existenz regulatorischer Aktivitäten kann mit der Prinzipal Agent Theorie begründet werden. Dabei greift die Regulierung als schützende Instanz in die Bankgeschäfte ein und mindert die Informationsasymmetrien zwischen Banken und Märkten, oder dem allgemeinen Opportunismus der Banken. In diesem Teil des Beitrags wird der Weg des Basel Committee on Banking Supervision beleuchtet, das Kernstück der Baseler Rahmenvereinbarungen herausgearbeitet (Eigenmittelregulierung) und die Signifikanz für heutige Regulierungsstandards aufgezeigt.

Kernaufgabe der Bankenregulierung ist die Überwachung der ordnungsgemäßen durchführen von Bankgeschäften. Dabei gilt als Hauptziel der Regulierung die Stabilität des Finanzsystems zu wahren. Zur Erreichung der Ziele, wurden von den Gesetzgebern Auflagen zu Eigenkapital-, Liquiditätsausstattung und einem funktionierenden Risikomanagement geschaffen, die durch die zuständigen Aufsichtsbehörden überwacht und gegebenenfalls sanktioniert werden. Das Basel Committee on Banking Supervision agierte 1988 als erste Instanz in dem Spannungsfeld der Bankenregulierung mit der Zielsetzung die Risikotragfähigkeit der international agierenden Institute zu erhöhen. Es wurde der Solvabilitätskoeffizient geschaffen. Die Restriktion war denkbar einfach. Für jeden vergebenen Kredit mussten die Banken 8% Eigenkapital hinterlegen. Dabei haben die Regulierer die Bankgeschäfte grob in 6 Risikoklassen unterteilt, die nach ihrem Risikogehalt unterschiedlich starke Anrechnungsfaktoren erhielten. 1996 wurden Vorschriften zu der Kreditvergaberegulierung um eine Eigenkapitalunterlegung für Marktrisiken ergänz.

rc222004 wurde das bestehende Regulierungsrahmen komplett überarbeitet und das neue und wesentlich weitreichendere Regulierungspaket Basel II veröffentlicht. Das Novum ist ein Drei-Säulen-Modell, in dem nicht jede Säule isoliert neben der anderen steht, sondern diese gemeinsam das Fundament für die Eigenkapitalregulierung bilden. Die zweite Säule beinhaltet Mindeststandards der aufsichtsrechtlichen Überprüfung der Bank und ihrer betrieblichen Abläufe durch die Aufsichtsinstanz. Die dritte Säule beinhaltet Vorgaben zur Markttransparenz. Durch die Offenlegung der quantitativen und qualitativen Zusammensetzung der Risikoaktiva und Eigenmittel wird Transparenz für sämtliche (fachkundige) Marktteilnehmer geschaffen. An dieser Stelle befindet sich ein sehr interessantes oftmals nicht genutztes Kommunikationspotenzial für die Kreditinstitute. Dazu allerdings mehr im Teilbereich Finanzkommunikation.

 

 

 

 

rc4Die Ermittlung der Risikoaktiva ist mit Basel II wesentlich komplexer geworden. Durch die erhöhte Komplexität, wird jedoch auch eine höhere Rechengenauigkeit gewonnen, sodass der ökonomische Kapitalbedarf genauer abgebildet werden kann. In dem neuen Regulierungspaket wird nun unterschieden in einzelne Forderungsklassen mit einem differenzierten Risikogewichttableu. Die Risikogewichte innerhalb einer Forderungsklasse werden in Abhängigkeit unterschiedlicher Bonitätsstufen erstellt (credit quality steps). Je schlechter die Bonität, desto höher das Risikogewicht. Die Quantifizierung erfolgt entweder nach einem standardisierten Ansatz, oder nach bankinternen Modellen.

Für die Kapitalunterlegung, mit dem regulatorischen Eigenkapital, wird ebenfalls eine neue Untergliederung eingeführt. Es werden unterschiedliche Eigenkapitalstufen definiert. Die risikogewichteten Aktiva sind in gewissen quotalen Anteilen durch das regulatorische Kapital zu unterlegen.

 

 

Und noch einmal kurz zusammengefasst: Der Solvabilitätskoeffizient beschreibt das Mindestverhältnis zwischen dem aufsichtsrechtlich anerkannten Haftungskapital und der Summe der risikogewichteten Aktivpositionen des Instituts. Das Haftungskapital ist das aufsichtsrechtliche Eigenkapital, welchem unter anderem die Aufgabe zugeschrieben wird, Verluste aus Risikoschwankungen aufzufangen. Durch die Eigenmittelregulierung soll bei den Instituten eine ausreichende Risikotragfähigkeit hergestellt werden. Das aufsichtsrechtliche Kapital bestimmt somit die Anzahl möglicher Geschäfte der Bank und determiniert als harte Nebenbedingung die bankinterne Steuerung entlang des ökonomischen Kapitalmodells, da die Regulierungsmaßnahmen der ersten Säule häufig zu einem höheren Kapitalbedarf führen.

Hier geht’s weiter zu Teil 2

Mehr über Basel III erfahren

Erfahren Sie mehr über das komplexe Regulierungsuniversum Basel III. Hier bekommen Sie einen Überblick über die Instrumente der Bankenregulierung.
Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.

Regulierung