Regulierung – Neue Grenzen setzen und der Weg zu Basel III (Teil 2)

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Der zweite Teil des Beitrags beschäftigt sich mit der Zeitspanne zwischen Basel II und Basel III. Es wird aufgezeigt welche Fehler der damalige Regulierungsrahmen hatte, aus welchen Gründen es zu dem neuen Regulierungspaket Basel III kam und wie dieses aktuell in der Europäischen Union umgesetzt wird.

 

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Am Anfang von Basel III stand die Finanzkrise. Trotz dem geltenden Regulierungsstandard Basel II entstand die Subprime-Krise. Einige Institute hatten nicht genügend Eigenmittel um die laufenden Verluste aufzufangen, zudem stand nicht genügend Liquidität zur Verfügung, um die aufkommenden Verbindlichkeiten zu decken. Ein solches Szenario konnte sich insbesondere dadurch in diesem Ausmaß entwickeln, da die Annahme eines stets liquiden Interbankenmarktes nicht mehr zutraf.

Die aufsichtsrechtlichen Risikomessungssysteme im Bereich der Risikoquantifizierung des Handelsbuchs haben sich als unpräzise erwiesen. Insbesondere die Quantifizierung der Marktrisiken durch Basel II war unzureichend. Es wurde viel mehr Eigenkapital für das risikoarme Kreditgeschäft zurückgelegt, als für das volatile und somit risikoreiche Handelsgeschäft. In einer Studie aus dem Jahr 2010 zeigten Erlebach/Grasshoff/Berg (2010), dass von insgesamt 150 nordamerikanischen und europäischen Banken, 90% der Banken lediglich 24% des hinterlegten Eigenkapitals für Adressausfallrisiken verbrauchten. Die Handelsbuchverluste verzehrten hingegen 255% des für die Marktrisiken hinterlegten Eigenkapitals.  Die Wissenschaftler zeigten somit die Problematik einer Überkreuzhaftung der Adressausfallrisiken für das Marktrisiko auf.

Der neue Regulierungsstandard Basel II,5 soll erste massive Fehlsteuerungen, die sich in der Finanzkrise offenbarten, korrigieren. In besonderem Maße sind von den Standards die Marktpositionen des Handelsbuchs, das hauptsächlich bei Großbanken geführt wird, betroffen. Wesentliche Inhalte sind die Einführung eines gestressten Value at Risk, eine zusätzliche Eigenmittelunterlegung für das besondere zinsbezogene Kursrisiko bei internen Modellen und eine höhere Eigenkapitalunterlegung der Verbriefungspositionen des Handelsbuchs.

 

Neben den o.g. Sofortmaßnahmen ergreifen die Regulierer mit Basel III weitere Steuerungsmechanismen, um regulatorische Missstände zu verringern. Die einzelnen Maßnahmen der Regulierer, wie zum Beispiel die Schwäche der Eigenkapitaldefinition zu beheben, oder die Gewährleistung von Liquidität durch die neuen Kennzahlen (Liquidity Coverage Ratio (LCR) und Net Stable Funding Ratio (NSFR)), werden ausführlich in den folgenden Blogeinträgen diskutiert.

Ohne eine gesetzliche Umsetzung sind die Baseler Rahmenwerke lediglich als eine Empfehlungen für die Institute zu sehen, also nicht verpflichtend. Auf der europäischen Ebene wird Basel III durch das Regulierungspaket CRD IV umgesetzt und ist nach der Veröffentlichung des Amtsblatts der Europäischen Union am 30.06.2013 ab dem Januar 2014 rechtswirksam. Das Regulierungspaket besteht zum einen aus einer Verordnung (Capital Requirements Regulation, CRR) und zum anderen aus einer Richtlinie (Capital Requirements Directive, CRD). Dabei ist die Verordnung direkt geltendes Recht für alle Mitgliedsstaaten, während die Richtlinie durch die Mitgliedsstaaten auf nationaler Ebene umgesetzt werden muss. Das CRD IV-Paket beinhaltet die alten Bestandteile der CRD III, erweitert um die neuen Regulierungsaspekte von Basel III und weitere darüber hinausgehende Regulierungsmaßnahmen der Europäischen Union.

 

Regup4Durch die Kombination von Richtlinie und Verordnung wird erstmals die Souveränität der nationalen Aufsichtsbehörden limitiert. Durch die europaweit verpflichtende Verordnung wird eine verstärkte Harmonisierung und Konvergenz der Bankenregulierung (Single Rulebook) in den Mitgliedsstaaten angestrebt. Die Gefahr möglicher Wettbewerbsverzerrungen wird minimiert. Um den nationalen Besonderheiten der Mitgliedsstaaten im Bankensenktor gerecht zu werden, sorgt die Ausgestaltung der Richtlinie für ein gewisses Maß an nationaler Flexibilität im CRD IV Paket. Die Gestaltungsspielräume für die nationalen Aufsichtsbehörden ermöglichen temporäre und lokale Einflüsse auf den Bankensektor gezielt zu steuern.

Ursprünglich sollte Basel III bereits 2013 implementiert werden. Die dritte Auflage des Rahmenwerks wird jedoch, im europäischen Raum, ein Jahr verspätet im Jahr 2014 eingeführt. Durch eine weiche Implementierung, muss jährlich ein prozentualer Anteil der quantitativen Auflagen erreicht werden. Die letzte Stufe der Zielsetzung wird 2019 erreicht. Die verzögerte Einführung sorgt nicht für eine Verschiebung dieser Frist.

 

Die Zusammenfassung: Basel III ist die Reaktion der Regulierer auf die Finanzkrise. Das Paket versucht die Missstände der Finanzkrise aufzuarbeiten und die Stabilität des Finanzsystems zu gewährleisten. Auf der europäischen Ebene wird Basel III in Form des Single Rulebooks CRR und CRD IV umgesetzt. Es bleibt abzuwarten ob die ergriffenen Maßnahmen von Basel III und die europäische Implementierung des Rahmenwerks von Erfolg gekrönt sind. Derzeit machen fehlende technische Standards und eine inkonsequente Umsetzung der Inhalte von Basel III den Anschein, dass die europäischen Behörden an der Umsetzung mit Problemen zu kämpfen haben.

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Erfahren Sie mehr über das komplexe Regulierungsuniversum Basel III. Hier bekommen Sie einen Überblick über die Instrumente der Bankenregulierung.
Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.

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