Regulierungstools von Basel III im Überblick

Gegenwärtig wird immer häufiger das Schlagwort Basel IV im Zusammenhang mit einer weiteren Bankenregulierungsnovelle genannt. Diese Novelle soll unter anderem diverse Optimierungen der Standardansätze zur Berechnung von Risikoaktiva forcieren. Gegenwärtig steht jedoch die Finalisierung von Basel III an.

Dieser Beitrag gibt einen Überblick über die Instrumente der Bankenregulierung nach Basel III. Es werden die einzelnen regulatorischen Instrumente und Kennzahlen vorgestellt, die theoretische oder historische Begründung für die Art der Regulierung skizziert und die Wirkung auf Institutsebene und Systemebene abgeleitet. Ziel des Beitrags ist es einen Überblick über das komplexe Regulierungsuniversum zu schaffen und Einblicke in die Interdependenzen der einzelnen Regulierungsinstrumente zu gewähren.

 

Die Basel III Tools

1. Begrenzung der Kredit-, Markt- und operationellen Risiken

1.1 Eigenmittelanforderungen/ Solvabilitatskoeffizient

Banken müssen ihre Geschäfte mit Eigenmittel unterlegen, da diese Risiken ausgesetzt sind. Die klassischen Risiken nach Basel III, die eine Unterlegung erfordern, sind Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken. Die einzelnen Aktivitäten der Bank sind risikogewichtet. Lediglich der risikobehaftete Teil fließt in die Berechnung der Kennzahl Solvebilitätskoeffizient in Form von Risikoaktiva (RWA) ein. Die Summe aller RWA ist mit mindestens 4,5% CET 1, 1,5% AdT 1 und 2% T2 zu unterlegen. Wird die Kennzahl durch die Bank nicht erreicht, wird diese sanktioniert. Aus der Theorie begründet, neigen Banken dazu ihre Aktiva mit möglichst hohem Fremdkapitalanteil zu finanzieren. Dieses Verhalten ist durch die volkswirtschaftlichen Aufgaben der Bank, Risikotransformation, Liquiditätsbereitstellung und Fristenstransformation zwar begründbar, muss jedoch aufgrund der Haftungsbeschränkung von Banken begrenzt werden. Die Regulierer verfolgen mit diesen Mindestanforderungen an Eigenmitteln das Ziel, den Willen der Bank, exzessiv Risiken aufzubauen, auf ein Vielfaches seiner Haftungssubstanz zu begrenzen. Die Bank soll durch den Mindestbestand an Eigenmitteln seine Geschäfte weiterhin fortführen können, auch wenn das inhärente Risiko realisiert wird. Das Instrument verfolgt damit zwei Zielsetzungen. Die Begrenzung der Risiken der einzelnen Bank sowie die Bereitstellung einer hinreichend großen Haftungssubstanz.

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Die Eigenmittelanforderungen beschränken für das einzelne Institut den Fremdkapitalhebel. Es macht die Eigenmittel zu einer knappen Ressource und zwingt die Banken sich mit dem Risikogehalt ihrer Geschäfte auseinanderzusetzen. Die Bank muss eine Rendite-Risikoabwägung treffen und die Eigenmittel auf Geschäftsbereiche verteilen. Auf Systemebene kann durch die Eigenmittelanforderungen die Stabilität des Finanzsystems gefördert werden. Die Publikation der Kennzahl schafft gegenseitiges Vertrauen am Finanzplatz und die global konsistente Anwendung führt zur weltweiten Vergleichbarkeit des Risikogehalts der Banken.

Banken müssen ihre Geschäfte mit Eigenmittel unterlegen, da diese Risiken ausgesetzt sind. Die klassischen Risiken nach Basel III, die eine Unterlegung erfordern, sind Kreditrisiken, Marktrisiken und operationelle Risiken. Die einzelnen Aktivitäten der Bank sind risikogewichtet. Lediglich der risikobehaftete Teil fließt in die Berechnung der Kennzahl Solvebilitätskoeffizient in Form von Risikoaktiva (RWA) ein. Die Summe aller RWA ist mit mindestens 4,5% CET 1, 1,5% AdT 1 und 2% T2 zu unterlegen. Wird die Kennzahl durch die Bank nicht erreicht, wird diese sanktioniert.

Aus der Theorie begründet, neigen Banken dazu ihre Aktiva mit möglichst hohem Fremdkapitalanteil zu finanzieren. Dieses Verhalten ist durch die volkswirtschaftlichen Aufgaben der Bank, Risikotransformation, Liquiditätsbereitstellung und Fristenstransformation zwar begründbar, muss jedoch aufgrund der Haftungsbeschränkung von Banken begrenzt werden. Die Regulierer verfolgen mit diesen Mindestanforderungen an Eigenmitteln das Ziel, den Willen der Bank, exzessiv Risiken aufzubauen, auf ein Vielfaches seiner Haftungssubstanz zu begrenzen. Die Bank soll durch den Mindestbestand an Eigenmitteln seine Geschäfte weiterhin fortführen können, auch wenn das inhärente Risiko realisiert wird. Das Instrument verfolgt damit zwei Zielsetzungen. Die Begrenzung der Risiken der einzelnen Bank sowie die Bereitstellung einer hinreichend großen Haftungssubstanz.

Die Eigenmittelanforderungen beschränken für das einzelne Institut den Fremdkapitalhebel. Es macht die Eigenmittel zu einer knappen Ressource und zwingt die Banken sich mit dem Risikogehalt ihrer Geschäfte auseinanderzusetzen. Die Bank muss eine Rendite-Risikoabwägung treffen und die Eigenmittel auf Geschäftsbereiche verteilen. Auf Systemebene kann durch die Eigenmittelanforderungen die Stabilität des Finanzsystems gefördert werden. Die Publikation der Kennzahl schafft gegenseitiges Vertrauen am Finanzplatz und die global konsistente Anwendung führt zur weltweiten Vergleichbarkeit des Risikogehalts der Banken.

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den Solvabilitätskoeffizient

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die Optimierung des Solvabilitätskoeffizienten

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die regulatorischen Eigenmittel

Kapitalpuffersystem von Basel III

1.1.1 Kapitalerhaltungspuffer, Capital Conservation Buffer (CCB)

Das oben aufgezeigte Grundmodell der Mindesteigenmittelanforderungen wird durch ein Kapitalpuffersystem ergänzt, welches additiv die Eigenmittelanforderungen erhöht. Zu den Mindesteigenmittelanforderungen hat jede Bank einen Kapitalerhaltungspuffer für seine Risikoaktiva in Höhe von 2,5% in Form von CET 1 zu hinterlegen. Dieser Puffer darf durch die Bank abgeschmolzen werden. Beginnt jedoch die Bank den CCB abzuschmelzen, unterliegt sie Restriktionen in der Ausschüttungspolitik und Kapitalplanung. Der CCB existiert aufgrund eines Logikfehlers der Regulierer in Basel II, dem regulatorischen Dilemma. Das regulatorische Dilemma beschreibt das Problem, dass Banken die Eigenmittelquoten zwar erfüllen, aber im Notfall nicht ohne starke Sanktionen anbrechen dürfen, um Verluste aufzufangen. Der CCB korrigiert dieses Dilemma.

 

1.1.2 Antizyklischer Puffer (AZP)

Die Aufsichtsbehörde kann der Bank für bestimmte Aktivaklassen einen antizyklischen Kapitalpuffer in Höhe von bis zu 2,5% in Form von CET 1 auferlegen. Der antizyklische Puffer ist ein Element der makroprudentiellen Regulierung und soll eine Überhitzung und Blasenbildung in bestimmten Märktenunterbinden. Die Regulierer verfolgen mit dem antizyklischen Puffer zwei Zielsetzungen. Zum einen soll durch die erhöhten Eigenmittelanforderungen eine stärkere Haftungssubstanz bei platzenden Blasen bereitgestellt werden, zum anderen soll der antizyklische Puffer die Geschäftsfelder für Banken unattraktiv machen und eine Blasenbildung gar vermeiden (leaning against the wind).

Für die einzelne Bank bedeutet der antizyklische Puffer eine weitere Kapitalanforderung, die für die Bank mit Unsicherheit verbunden ist, da diese ebenfalls auf bestehende Geschäfte in den Bankbilanzen erhoben wird. Für das gesamte Finanzsystem kann der antizyklische Puffer die Systemestabilität erhöhen, denn die Aufsichtsbehörde hat es in der Hand den überhitzten Markt abzukühlen oder für ausreichend Haftungssubstanz bei betroffenen Instituten zu sorgen.

 

1.1.3 Systemrelevanzpuffer 

Sollte ein Institut aufgrund seiner Größe, Komplexität oder Verknüpfungen im Finanzsystem relevant für das System seien, so können die Aufsichtsbehörden einen weiteren Puffer von bis zu 3,5% der Risikoaktiva in CET 1 verlangen. Dabei wird unterschieden in global system relevante Institute (G-SIB) oder national systemrelevante oder anderweitig systemrelevante Institute.

Durch die zusätzlichen Kapitalanforderungen für Sysremrelevanz soll den too-big-to-fail-Regimen Rechnung getragen werden. Banken, dessen Insolvenz mit weitreichenden systemischen Folgen verbunden sind, müssen zur Stabilisierung des gesamten Finanzsystems mehr Eigenmittel vorhalten. Das too-big-to-fail-Problem bei Systemrelevanz kann den Missbrauch der staatlichen Intervention des lender-of-last-resort (LOLR) nach sich ziehen. Als LOLR stellt die Zentralbank einem systemrelevanten Institut in finanziellen Schwierigkeiten die nötigen Mittel zur Verfügung, da die Folgen einer Insolvenz nicht abzuschätzen sind. Diese Intervention kann bankseitig ausgenutzt werden und zu einem erhöhtem Risikoappetit führen, da bei einer möglichen Insolvenz die Rettung durch den Steuerzahler zur Verfügung steht. Als Korrektur für dieses Problem wurde der Systemrelevanzpuffer geschaffen, der die Haftungssubstanz erhöht und eine mögliche Abwicklung einer systemrelevanten Bank weniger kostspielig macht.

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die Kapitalpuffer

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die Regulierung von Systemrisiken

1.1.4 Eigenmittelabzüge für Beteiligungen in der Finanzbranche

Beteiligungen innerhalb der Finanzbranche werden untergliedert in wesentlichen und unwesentliche Beteiligungen. Die Wesentlichkeit wird in dem Moment erreicht, im dem mehr als 10% des harten Kernkapitals vom Zielinstitut gehalten werden. Für beide Beteiligungstypen wird ein Sammelpool angelegt. Sollten die wesentlichen Beteiligungen am Finanzsektor die 15% des eigenen CET 1 oder die unwesentlichen Beteiligungen am Finanzsektor 10% des eigenen CET 1 überschreiten, so wird der übersteigende Betrag von den Eigenmitteln in Abzug gebracht. Innerhalb des Sammelpools und unterhalb des Schwellenwertes werden die Beteiligungen risikogewichtet. Die Sanktion des Vollabzugs reduziert die gesamte Risikotragfähigkeit für alle anderen Risiken massiv und der freie Eigenmittelbestand schrumpft.

Durch die regulatorische Intervention erhoffen sich die Regulierer die Verflechtung des Finanzsystems auf ein gesundes Maß zu reduzieren. Die Intention der Regulierer für ein solches Kapitalabzugssystem ist, dass Aktiva, welche gleichzeitig Haftungsubstanz anderer Institute darstellen, höheren Ausfallrisiken im Krisenfall unterliegen und daher das exzessive Halten dieser Titel beschränkt werden muss. Durch den Eigenmittelabzug von übermäßigen Beteiligungsportfolios, die einer Abschreibung auf die überschreitenden Tite im Krisenfall gleicht, werden die Beteiligungen unattraktiver. Geschäftsmodelle, die auf Beteiligungen in der Finanzbranche basieren, müssen hingegen ausreichend Eigenmittel vorweisen. Durch die Entflechtung des Banksystems können Ansteckungseffekte reduziert werden.

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die Eigenmittelabzüge

1.1.5 Credit Valuation Adjustment (CVA) Charge und zentrales Clearing

Die CVA Risk Capital Charge ist Bestandteil der Risikoaktiva der Bank und somit ebenfalls mit Eigenmitteln zu unterlegen. Die CVA spiegelt die Wertanpassung von Forderungen auf Derivatkontrakte aufgrund von Gegenparteiausfallrisiken bei OTC Geschäften wieder. Das Risiko entsteht aufgrund von potenziellen Marktwertverlusten durch Bonitätsverluste (Erhöhung der Risikoprämie) der Gegenpartei und wirkt auf den positiven Wiederbeschaffungswert des Kontrakts. Ein solches Risiko existiert nicht bei Geschäften, die über eine zentrale Gegenpartei abgewickelt werden.

Die Einführung der CVA Charge mit Basel III in die Regulatorik wird durch die enormen Abschreibungen und Verluste auf Derivate Portfolios in der jüngsten Finanzkrise begründet. Die Verluste auf diesen Portfolios wurden nicht durch tatsächliche Ausfälle der Gegenpartei generiert, sondern lediglich durch die Bonitätsanpassungen.

Durch die Eigenmittelunterlegungen von CVA Risiken werde Anreize für das zentrale Clearing geschaffen. Durch die regulatorische Bevorzugung von zentralen Gegenparteien wird der OTC Handel unattraktiver für die Banken. Somit werden CVA-Risiken abgebaut und die Verflechtung des Finanzsystems durch Forderungen aus Derivatkontrakten reduziert und auf die zentrale Gegenpartei fokussiert.

1.2 Leverage Ratio 

Die Leverage Ratio setzt das Gesamengagement der Bank in das Verhältnis zu seinem Tier 1 Kapital (CET 1 + adT1). Die Leverage Ratio verzichtet auf eine Risikogewichtung der unterschiedlichen Aktiva. Sämtliche Geschäfte gehen mit ihrem Nominalwert in die Kalkulation ein. Weiterhin zählen sämtliche außerbilanzielle Aktivitäten zum Gesamtengagement. Die Leverage Ratio soll ab 2019 verpflichtend auf 3% fixiert werden. Ab diesem Zeitpunkt wird das Unterschreiten sanktioniert.

Die Regulierer verfolgen mit der Leverage Ratio das Ziel einer harten Obergrenze für den Fremdkapitalhebel, analog dem Solvabilitätskoeffizienten, jedoch ohne Risikogewichtung. Ziel der Kennzahl ist es einen back-stop für die Messfehler der risikosensitiven Eigenmittelanforderungen zu etablieren.

Die Leverage Ratio begrezt für das einzelne Institut die Bilanzsumme auf ein vielfaches seiner Eigenmittel, während der Solvabilitätskoeffizient weitere Transaktionen ohne Risiko zulässt. Durch die Gleichbehandlung aller Aktiva birgt die Leverage Ratio die Gefahr, dass dieBank risikoarme Geschäfte gegen Aktiva mit hohen Risiken substituiert, um die Performance, bei gleichbleibender Leverage Ratio, zu steigern.

Gesamtwirtschaftlich trägt die Leverage Ratio zur Systemstabilität, da für jede Volkswirtschaft die Bilanzsumme auf ein Vielfaches der Eigenmittel begrenzt wird. Da jedoch Eigenmittel ein knappes Gut sind, kann es durch die Leverage Ratio zu einer geringeren Kreditvergabe, insbesondere bei guten Ratings, und Liquiditätsbereitstellung durch die Banken kommen oder Banken können gar Asset Substitution betreiben.

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die Leverageratio

1.3 Total Loss-Absorbing Capacity (TLAC)

Eine weitere verpflichtende Quote für G-SIB ist TLAC. Eine global systemrelevante Bank muss ab 2019 aufbauend 16% bis 20% seiner Risikoaktiva und 6% bis 6,75% des Gesamtengagements (LRE) mit TLAC decken. Als TLAC gelten die regulatorischen Eigenmittel CET 1, adT1 und T2 sowie langfristig verfügbares, unbesichertes subordinated und senior debt. Ähnlich den Eigenmittelabzugspositionen ist das von der Bank gehaltene Aktiva TLAC, welches von anderen Banken bei der Berechnung seiner TLAC-Kennzahl verwendet wird, unter Berücksichtigung diverser Schwellenwerte abzugspflichtig. Da TLAC ebenfalls Element von Basel III Säule 1 ist, wird ein Verstoß mit Eingriffen in die Ausschüttungspolitik sanktioniert.

Mit TLAC verfolgen die Regulierer das Ziel, die too-big-to-fail-Problematik weiter zu entschärfen. Durch die gestärkte Verlustabsorbstionsfähigkeit sollen künftig auch systemrelevante Banken abgewickelt werden können, ohne dass die finanzielle Stabilität weitreichend gestört wird oder der Steuerzahler für die Verluste der Institute aufkommen muss.

Die TLAC-Kennzahl des FSB sorgt bereits jetzt für einem enormen Bedarf an TLAC-eligable-Capital. So emmitieren die europäischen Institute entsprechendes Fremdkapital. Da jedoch Banken unter sich TLAC nicht in der eigenen Kennzahl anrechnen dürfen, ist der Markt für dieses riskante Fremdkapital getrieben von dem gewinnstreben der Investoren.

2. Begrenzung von Liquiditäts- und finanziellen Risiken

2.1 Liquidity Coverage Ratio (LCR)

Die LCR ist eine Kennzahlen zur Beschränkung von idiosynkratischen Liquiditätsrisiken. Die Kennzahl simuliert ein 30-tägiges Stressszenario. Die Kennzahl wird ermittelt aus dem Verhältnis von hochliquiden Aktiva und dem Nettozahlungsmittelabfluss. Der Bestand von hochliquiden Aktiva muss dabei stets größer sein als die Mittelabflüsse.

Die Regulierer verfolgen mit der LCR das Ziel, bei jedem Institut einen ausreichenden Liquiditätbestand zu etablieren, der in einem Stressszenario von der Bank abgeschmolzen werden kann. Durch den Liquiditätspuffer der LCR kann das Institut autonom einen einmonatigen Zeitraum unter Liquiditätsstress überstehen. In diesem Zeitraum können die Aufsichtsbehörden übelegt Schritte zur Rettung oder Abwicklung des Instituts einleiten.

Der regulatorische Eingriff kann durch die Erkenntnisse der letzten Finanzmarktkrise 2007 – 2009 begründet werden, in der bei den Instituten die Unsicherheit über die Solvenz der Gegenpartei zu einem Zusammenbruch des Interbankenmarkts führte und damit ebenfalls die gegenseitige Finanzierung stoppte. Aus der theoretischen Betrachtung neigen Banken dazu, weniger Liquidität in der Bilanz zu halten, als sozial optimal wäre. Das liegt daran, dass Instrumente, die eine hohe Liquidität zur Verfügung stellen, geringere Renditen erwirtschaften. Ebenfalls internalisieren Banken nicht die negativen Effekte der zu geringen Liquiditätshaltung komplett und erwarten bei einer gewissen Größe den LOLR bei Illiquidität.

Für die einzelnen Institute bedeutet die LCR durch den verstärkten Aufbau von Liquiditätspuffern ein Verzicht auf Rendite. In Situationen von Liquiditätsstress kann das Institut jedoch auf seinen eigenen Bestand an Liquidität zurück greifen. Dies steigert ebenfalls die Systemstabilität, da Institute ihren Verpflichtungen einen längeren Zeitraum nachkommen können, ohne auf extreme Liquiditätsbeschaffungsmaßnahmen, wie beispielsweise fire sales zurückgreifen zu müssen. Ansteckungseffekte werden hierdurch drastisch reduziert.

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die Liquidity Coverage Ratio

2.2 Net Stable Funding Ratio 

Die NSFR ist der Quotient von dem verfügbaren Betrag an stabiler Refinanzierung (ASF) und dem erforderlichen Betrag an stabiler Refinanzierung (RSF) über einen Zeithorizont von einem Jahr. Dieser darf den Wert von 100% nicht unterschreiten. Als ASF werden sämtliche stabile Refinanzierungsquellen kategorisiert. Als ASF gelten Eigenkapital, Vorzugsaktien und Einlagen ohne Fälligkeit, bzw. Termineinlagen mit einer Restlaufzeit unter einem Jahr, von denen ausgegangen werden kann, dass diese auch im Stressfall weiterhin in der Bank verbleiben oder erneut kontrahiert werden können.

Die erforderliche stabile Refinanzierung entspricht dem Liquiditätsprofil der Bank. Die erforderliche, stabile Refinanzierung einer Bank ist von den Liquiditätsmerkmalen und Restlaufzeiten der verschiedenen gehaltenen Vermögenswerte und der außerbilanziellen Engagements dieser Bank abhängig. Die RSF ergibt sich aus der Erneuerung des Aktivums, der Liquidierung unter Berücksichtigung von Kosten oder da das Aktivum zur besicherten Kreditaufnahme als Sicherheit verwendet wird.

Die Begründung der Regulierung liegt in der jüngsten Finanzmarktkrise, in der Banken elementare Grundsätze der Steuerung des Liquiditätsrisikos missachteten. Die NSFR ist das zweite Korrektiv dieses Fehlverhaltens. Mit der NSFR versuchen die Regulier die Wahrscheinlichkeit zu verringert, dass sich die Liquiditätsposition einer Bank bei Ausfällen der regulären Refinanzierungsquellen dermaßen verschlechtert, dass sich das Ausfallrisiko der Bank erhöht und es möglicherweise zu Ansteckungseffekten für das ganze System kommt. Die NSFR begrenzt insbesondere die übermäßige Abhängigkeit von kurzfristigen Großkundenmitteln, erhöht den Anreiz für eine bessere Einschätzung des Refinanzierungsrisikos sämtlicher bilanzwirksamer und außerbilanzieller Positionen und fördert stabile Refinanzierung.

3. Begrenzung von Zinsänderungsrisiken

3.1 Basler Zinsschock

Die Barwertverluste des Anlagebuchs bei einem adhoc Zinsschock von +/- 200 BP dürfen nicht größer sein als 20% der regulatorischen Eigenmittel. Sollten die Verluste den Schwellenwert überschreiten, so ist der überschreitene Betrag von den Eigenmitteln abzuziehen.

Die Zinsänderungsrisiken sind bisweilen lediglich Bestandteil der Säule 2 von Basel III und nicht unmittelbar mit Eigenmitteln zu unterlegen. Das Eingehen von Zinsänderungsrisiken ist für ein Großteil der Banken das Kerngeschäft und wirtschaftlicher Erfolgtreiber. Die Überwachung des Zinsänderungsrisikos ist für die Aufsichtsbehörden aufgrund seiner großen Bedeutung für die Banken entscheidend. Eine Integration des Zinsänderungsrisikos in die Säule 1 steht künftig zur Debatte.

Durch den Basler Zinsschock wird der Risikoappetit auf Zinsänderungsrisiken der einzelnen Institute beschränkt. Der Abzug des überschreitenden Betrages von den Eigenmittel stellt eine ernstzunehmende Sanktion dar, die Einschränkungen bei der Tragfähigkeit von sämtlichen anderen regulatorischen Risiken mit sich bringt. Gesamtwirtschaftlich betrachtet reduziert der Basler Zinsschock die Gefahr, dass bei einem rapiden Anstieg des Zinsniveaus die Banken der Volkswirtschaft keine allzu starken Verluste realisieren und vereinfacht somit ebenfalls du Umsetzung der Geldpolitik.

Schlussbemerkung

Dieser Beitrag hat kurz sämtliche Regulierungsinstrumente von Basel III zusammengefasst. Aufgrund des zusammenfassenden Charakters des Beitrags konnten nicht alle Feinheiten der jeweiligen Instrumente herausgearbeitet werden. Sollten aufgrund des Abstrahierungsgrades Fragen entstanden sein, stehe ich Ihnen gerne zur genaueren Erläuterung zur Verfügung. Weitere Inhalte Rund um Basel III finden Sie in der Fachkategorie Banking.

Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.

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