Zinsänderungsrisiken 2017 – Stoßrichtung mit BCBS 368, EBA Guidelines 08/2015 und BaFin Verfügung für Eigenmittelunterlegung

Der Fachbeitrag verdeutlicht die Veränderungen in der Quantifizierungsmethodik von Zinsänderungsrisiken unter BCBS 368. Die Konsequenzen der ab 2018 zu implementierenden Anforderungen sollten frühzeitig auch von kleinen und mittleren Banken ermittelt werden. Der Beitrag ist wie folgt strukturiert:

1. Zinsänderungsrisiken 2017 – Status Quo

2. Nationale Anforderungen der BaFin Anordnung

3. Globale Anforderungen des BCBS 368

4. Globale Anforderungen der EBA-Leitlinie 08/2015

5. Resümee und Aufgabenbereiche 2017

1. Zinsänderungsrisiken 2017 – Status Quo

In den vergangenen Jahren schenkte die Bankenaufsicht und das BCBS den Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch seit geraumer Zeit die Aufmerksamkeit. Und das aus gutem Grund, da mit der Leitzinserhöhung der FED am 14.12.2016 die Wahrscheinlichkeit eines sich ändernden Zinsumfelds gestiegen ist. Besonders für kleine und mittlere Banken gewinnen die künftigen Änderungen der zwei globalen Publikationen an Bedeutung, da in einem Endspurt von der BaFin am 23.12.2016 die Allgemeinverfügung zur Anordnung von Eigenmittelanforderungen für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch publiziert wurde. Diese verknüpft die künftigen globalen Änderungen des BCBS in der Berechnung des Zinsänderungsrisikos mit der Eigenmittelunterlegung der weniger bedeutenden Institute (LSI), ähnlich dem SREP-Säule 1 Plus-Verfahren des SSM.

Dieser Fachbeitrag fasst die letzten globalen Bewegungen im Bereich Zinsänderungsrisiko für Sie zusammen, deren Bedeutung durch die nationale Allgemeinverfügung der Anordnung zur Eigenmittelunterlegung für LSI von Zinsänderungsrisiken drastisch an Bedeutung gewinnt. Die seit 2004 geltenden Regeln des BCBS 108 zur Behandlung von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch werden nach dem abgeschlossenen Konsultationsprozess des BCBS 319 durch die Standards des BCBS 368 im Jahr 2018 ersetzt. Der Fachbeitrag fokussiert die wichtigsten Elemente des BCBS 368 sowie die daraus resultierenden Änderungen, welche bereits 2017 vorbereitet werden sollten, gibt einen kurzen Überblick über die Allgemeinverfügung der BaFin und beleuchtet weiterhin kurz die bereits geltenden Guidelines 08/2015 der EBA.

2. Nationale Anforderungen der BaFin Anordnung

p

Globale Änderungen an der Berechnungslogik von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch gewinnen durch die nationale Allgemeinverfügung der BaFin zur Anordnung von Eigenmittelanforderungen für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch an Relevanz.

Die im nachfolgenden Beitrag dargestellten Änderungen des BCBS 368 und der EBA Guidelines 08/2015 gewinnen durch die neu festgesetzte Eigenmittelunterlegung für Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch besonders an Bedeutung. Die Anordnung der BaFin schreibt vor, dass aus dem Quotienten aus negativster Barwertveränderung des Zinsschocks (bisweilen noch +/-200 BP auf die Zinsstrukturkurve) und den Risikoaktiva der Bank ein zusätzlicher Eigenmittelzuschlag abgeleitet wird. Dieser Eigenmittelzuschlag auf die Kapitalquoten nach Basel III wächst mit dem ermittelten Quotienten.

Dabei dürfen Institute, die freie Vorsorgereserven nach § 340f HGB bzw. 26a KWG, die nicht bereits als regulatorische Eigenmittel angerechnet wurden oder anderweitig als Risikodeckungsmasse verwendet werden, also den Zuschlag für das Zinsänderungsrisiko im Anlagebuch übersteigen, angerechnet werden, sodass die zusätzlichen Eigenmittelanforderungen aus der Anordnung auf 0% sinken können. Durch die Verknüpfung der negativen Barwertabweichung des Baseler Zinsschocks mit den regulatorischen Eigenmitteln haben künftige Änderungen in der Berechnungslogik des Zinsschocks maßgebliche Auswirkungen auf die Kapitalplanung der Institute. Die frühzeitige Simulation der Barwertänderungen auf die Eigenmittel sollte in 2017 spätesten angestoßen werden.

3. Globale Anforderungen des BCBS 368

Kein Säule 1 Ansatz für Zinsänderungsrisiken

In dem Konsultationsprozess des BCBS 319 standen mehrere Optionen für die weiterführende Behandlung von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch zur Debatte. Aufgrund der großen Bedeutung der Risikoart Zinsänderungsrisiken für den Großteil der Finanzinstitute, sollte das Zinsänderungsrisiko in die Säule 1 des Baseler Rahmenwerks verschoben werden. Von diesem Vorhaben weicht der finale Standard BCBS 368 jedoch wieder ab und die Zinsänderungsrisiken verharren weiterhin in der Säule 2. Ein Umzug in die Säule 1 scheiterte mitunter an dem Etablieren eines Standardverfahrens, welches hinreichend die hohe Heterogenität und Komplexität des Quantifizierungsprozesses für Zinsänderungsrisiken aller Institute gewährleisten konnte. Diese Entscheidung des BCBS machte den Weg frei für das oben aufgeführte Säule 2 Plus-Verfahren zur Eigenmittelunterlegung von Zinsänderungsrisiken bei LSI.

6 Zinsschockszenarien sind zu Quantifizieren

Der Baseler Zinsschock von +/- 200 BP wird bald der regulatorischen Vergangenheit angehören. Zukünftig werden die Zinsschock Szenarien wesentlich granularer ausgestaltet. Diese Granularität wird durch zwei neue Perspektiven in der Quantifizierung der Zinsänderungsrisiken gewährleistet. Zum Einen werden Benchmarkszenarien eingeführt, die ebenfalls eine Drehung der Zinsstrukturkurve in den Zeiträumen (Short, Long) berücksichtigen und zum Anderen variiert die Höhe des Zinsschocks je Währung. Künftig hat die Bank folgende Szenarien zu Quantifizieren:

Sollten die bisher vorhandenen Modelle nicht ausreichen, um die Anforderungen der Zinsschock Szenarien zu erfüllen, kann die Bank freiwillig das Standardverfahren zur Ermittlung des Barwertverlustes des EVE verwenden, oder die Bankenaufsicht erhält das Recht, die Anwendung des Standardverfahrens anzuordnen. Das Standardverfahren versteht sich als Minimalstandard für die Messung von Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch.

Im Jahr 2017 sollte bereits frühzeitig die Anwendbarkeit der internen Modelle unter BCBS 368 überprüft und die neuen Zinsszenarien simuliert werden, um mögliche Gefahren in dem Anlagebuch frühzeitig zu identifizieren und regulatorische Compliance im Jahr 2018 zu gewährleisten. Die Implementierung des Standards BCBS 368 kann die Eigenmittelanforderungen der Banken stark erhöhen.

Striktere Vorgaben zur Modellierung von Cashflows

Mit seinem Principle 5 bestärkt das BCBS die Bedeutung der Modellierung von Verhaltensannahmen. Durch die unsachgemäße Modellierung konnte die aufsichtsrechtliche Quantifizierung von Zinsänderungsrisiken maßgeblich beeinflusst werden. Aus der Corporate Governance Perspektive schreibt Principle 5 vor, dass sämtliche Annahmen durch den Governing Body oder seine Vertretung vollständig verstanden, konzeptionell und realitätsnah getroffen und nachvollziehbar dokumentiert werden und im Einklang mit der Geschäftsstrategie stehen. Die Verhaltensannahmen sind auf Instrumentenebene je Szenario betreffend Prolongation und Zinsanpassung zu treffen. Explizit gibt das BCBS für die Modellierung von Verhaltensoptionen in

Fixed rate loans subject to prepayment risk

Fixed rate loan commitments

Term deposits subject to early redemption risk

Non Maturity Deposits

diverse zu berücksichtigende Dimensionen vor, die die Modellierung der Verhaltensoptionen statistisch sophistizierter gestalten sollen. Für die Modellierung der Cashflows müssen bereits im Jahr 2017 sämtliche Verhaltensoptionen überprüft und gegebenenfalls angepasst werden. Die vom BCBS vorgegebenen Dimensionen sollten dabei berücksichtigt werden und durch statistisch sophistizierte Daten unterlegt werden.

Ausreißerbanken bereits ab Zinsänderungsrisikokoeffizient von 15% statt 20%

Principle 12 schreibt den Aufsichtsbehörden eine transparente Kommunikation der Kriterien vor, die Ausreißerbanken charakterisieren. Dabei ist das vom BCBS vorweggenommene Kriterium, dass der maximale Verlust aus den 6 Zinsszenarien maximal 15% des Kernkapitals (T1) nicht überschreiten darf. Sollte diese Grenze gerissen werden, können durch die zuständige Aufsichtsbehörde Sanktionen verordnet werden. Durch die Reduktion des Zinsänderungsrisikokoeffizienten ist das interne Risiko und Limitensystem bereits 2017 anzupassen. Sofern die Kennzahl die neue Obergrenze übersteigt, sollte sie frühzeitig in den grünen Bereich gefahren werden.

Erhöhte Offenlegungsanforderungen für Zinsänderungsrisiken

Mittels des Principle 8 schreibt das BCBS den Banken die Offenlegung von Modellierungsannahmen und Veränderungen des wirtschaftlichen Wertes des Eigenkapitals (EVE) in allen 6 Szenarien vor, sowie die Veränderungen des NII bei den zwei Parallelverschiebungen. Von der ursprünglich geplanten Veröffentlichung der Ergebnisse des Standardverfahrens sieht der BCBS 368 ab. Offen bleibt jedoch noch, ob die nationalen Aufsichtsbehörden bei der Umsetzung des BCBS 368 den Standardzinsschock in ihr Meldeportfolio aufnehmen.

4. Globale Anforderungen der EBA-Leitlinie 08/2015

Allgemeines

Die EBA-Leitlinie ist sowohl an die Aufsicht als auch an die Institute gerichtet. Im Fokus liegt die Stärkung der Widerstandsfähigkeit des Banksektors gegen Zinsänderungsrisiken durch eine angemessene interne Eigenmittelunterlegung. Die Guidelines beinhaltet Vorgaben hinsichtlich Annahmen der Messung von Zinsänderungsrisiken, legitimierte Messmethoden, Angaben zu Stresstests und interne Governance-Leitlinien zur Behandlung der Risikoart. Ein Novum des Schreibens ist der starke Fokus auf das interne Governance-System und den ordnungsgemäßen Managementrahmen für Zinsänderungsrisiken.

Governance-System

Institute, die durch die Fristentransformation einen Großteil der Erträge generieren, haben ihre Strategie mit dem Umgang von Zinsänderungsrisiken gut zu Begründen. Diese Strategie ist durch die Geschäftsleitung zu erstellen und durch ein Rahmenwerk zum Management von Zinsänderungsrisiken zu ergänzen. Die vorhandenen Zinsrisikokomponenten sind zu identifizieren und in ein Limitensystem, stimmig mit der institutsinternen Strategie, zu integrieren. Die Quantifizierung spielt dabei eine Schlüsselrolle. Sofern Banken auf interne Modelle zur Quantifizierung von Zinsänderungsrisiken zurück greifen, ist ein vollständiges technisches Verständnis des Modells und der Annahmen die Bedingung. Gleiches gilt auch für die Anerkennung von Hedging mit Zinsderivaten. Zusätzlich hat die Bank ihre Modelle durch eine unabhängige dritte Partei zu validieren und Kontrollen betreffend Datenkonsistenz, -qualität und Robustheit zu etablieren. Sofern Institute die notwendige Expertise nicht nachweisen können oder über unzureichende Modelle verfügen, kann das Standardverfahren des BCBS 368 verordnet werden.

Explizite Vorgaben zu variablen Produkten ohne feste Zins- oder Kapitalbindung und Modellierung von Verhaltensannahmen

Mit den Leitlinien der EBA wird der Kreativität diverser Banken bei der Gestaltung der Cash Flows sowie der Modellierung von Kundenverhalten bei variablem Produkten ein engerer Gestaltungsrahmen gesetzt. Beispielsweise werden die angenommenen verhaltensbezogenen Zinsanpassungstermine für Kundensalden (Verbindlichkeiten) ohne spezifischen Zinsanpassungstermin auf maximal durchschnittlich fünf Jahre beschränkt, wobei der durchschnittliche angenommene Zinsanpassungstermin als Durchschnitt der angenommenen Zinsanpassungstermine unterschiedlicher Salden berechnet wird, die einer verhaltensbezogenen, mit dem Nominalwert aller solcher Salden gewichteten Zinsanpassung unterliegen. Weiterhin gibt die EBA weniger konkret vor, dass bei der Modellierung der zentralen Verhaltensannahmen in Bezug auf zugrunde liegende Vergangenheitsdaten zurückgegriffen wird und diese Annahmen auf vorsichtigen Hypothesen beruhen sollen. Da insbesondere die Ergebnisse der Modelle zur Berechnungen des wirtschaftlichen Wertes stark von diesen Annahmen abhängen.

5. Resümee und Aufgabenbereiche 2017

Insbesondere der BCBS 368 wird im Jahr 2017 viel Arbeitskapazitäten binden. Durch die Eingriffe in Modellierungsannahmen, einem strikteren Ausreißer Limit und der Quantifizierung von 6 Zinsschockszenarien wird das Management von Zinsänderungsrisiken in dem Fokus des Risikomanagements 2017 gelangen. Ebenfalls ist durch die Allgemeinverfügung der BaFin und der damit Verbundenen direkten Verknüpfung von regulatorischen Eigenmitteln und den Zinsänderungsrisiken im Anlagebuch für kleine und mittlere Banken stärker und fokussierter in die Kapitalplanung der folgenden Jahre einzubinden. Zudem gibt der neue Governance Rahmen der EBA die organisationalen Spielregeln strikter vor.

Die Kernaufgabenbereiche für Zinsänderungsrisiken 2017

– Anwendbarkeit der internen Modelle unter BCBS 368 überprüfen
– Governance Rahmen auf die Probe stellen
– Simulation der 6 Zinsszenarien nach BCBS 368 und Anpassung des Anlagebuchs
– Überprüfung der Verhaltensoptionen auf BCBS Dimensionen und statistische Belegbarkeit
– Anpassung des Limitensystems auf die neuen Obergrenzen
– Einbindung der Simulationsergebnisse des BCBS 368 in die künftige Kapitalplanung

Teil 1

Zinsänderungsrisiken: Definition, historischer Kontext und Regulierung mittels Basler Zinsschock

Teil 2

Zinsänderungsrisiken: Grundidee zur Messung und Regulierung der Basler Zinsschock

Teil 3

Zinsänderungsrisiken: Modellierung der Cash Flows und Quantifizierung des Zinsrisikos nach aufsichtsrechtlichen Vorgaben

Teil 4

Zinsänderungsrisiken: Die aufsichtsrechtlichen Änderungen der EBA und des BCBS

Sebastian Fleer

Sebastian Fleer

M.Sc. Business and Economics

Sebastian Fleer hat sich  auf die Themenfelder Bankenregulierung und Risikomanagement spezialisiert. Er ist überzeugt davon, dass die globale Bankenregulierung zum Einen Fairness auf den Finanzmärkten fördert und zum Anderen ein besseres Risikomanagement ermöglicht.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.